Sieden und Kondensieren

Als Sieden bezeichnet man den Übergang vom flüssigen in den gasförmigen Aggregatzustand, als Kondensieren den umgekehrten Übergang vom gasförmigen in den flüssigen Aggregatzustand.

Dabei gilt:

  • Wird einer Flüssigkeit Wärme zugeführt, dann geht sie bei der Siedetemperatur in den gasförmigen Aggregatzustand über. Die zum Sieden erforderliche Wärme wird als Verdampfungswärme bezeichnet.
  • Wird einem Gas Wärme entzogen, dann geht es bei der Kondensationstemperatur in den flüssigen Aggregatzustand über. Die beim Kondensieren frei werdende Wärme wird als Kondensationswärme bezeichnet.
  • Während des Siedens und des Kondensierens bleibt die Temperatur eines Körpers gleich groß.
  • Beim Sieden vergrößert sich das Volumen eines Körpers, beim Kondensieren verringert es sich.
Wolken sind kondensierter Wasserdampf

Die Zusammenhänge beim Sieden und Kondensieren sind in Bild 2 dargestellt. Dabei gilt:

  • Siedetemperatur und Kondensationstemperatur sind gleich groß. Sie hängen vom jeweiligen Stoff und vom Druck ab.
  • Verdampfungswärme und Kondensationswärme sind für einen bestimmten Stoff ebenfalls gleich groß.
Sieden und Kondensieren

Siede- und Kondensationstemperaturen

Die Siede- bzw. Kondensationstemperaturen können sehr unterschiedlich sein. Meist werden diese Temperaturen auf den normalen Luftdruck von 1.013 hPa bezogen.

Dabei ist zu beachten: Es gibt auch Stoffe, für die man keine genaue Siedetemperatur, sondern nur einen Temperaturbereich angeben kann, in dem sie sieden. Es sind so genannte amorphe Stoffe. Zu ihnen gehören z. B. Wachs und Glas.
Bei vielen Stoffen spielt die Druckabhängigkeit der Siedetemperatur eine Rolle. Für Wasser und die meisten anderen Stoffe gilt:

Je größer der Druck ist, desto höher ist die Siedetemperatur.

Wird z. B. in einem Topf der Druck erhöht, so siedet das Wasser nicht bei einer Temperatur von 100 °C wie beim normalen Luftdruck von 101,3 kPa, sondern bei höheren Temperaturen. Das wird bei Schnellkochtöpfen und in Kraftwerken (Dampfkreislauf) genutzt. Umgekehrt ist auf hohen Bergen der Luftdruck niedriger und demzufolge ist auch die Siedetemperatur geringer als 100 °C. Die folgende Übersicht zeigt, wie sich die Siedetemperatur mit dem Druck verändert.

Druck in kPa

Siedetemperatur in °C

1
5
10
50
100
500
1 000
5 000
10 000
20 000
  7
33
46
81
100
152
180
264
311
366
 
Siede- und Kondensationstemperaturen

Spezifische Verdampfungswärme und Verdampfungswärme

Zum Sieden eines Stoffes ist Wärme erforderlich, die beim Kondensieren wieder frei wird. Die für einen Stoff zum Sieden erforderliche Wärme wird durch die spezifische Verdampfungswärme charakterisiert.

Die spezifische Verdampfungswärme gibt an, wie viel Wärme erforderlich ist, um 1 kg eines Stoffes zu verdampfen.

  Formelzeichen: qV
  Einheit: ein Kilojoule je Kilogramm (1kJkg)

Für 1 kg Wasser beträgt diese spezifische Verdampfungswärme
2 256 kJ/kg. Der Temperaturverlauf beim Sieden von Wasser ist in Bild 4 dargestellt.

Temperatur-Wärme-Diagramm für das Sieden von Wasser

Besitzt ein Körper eine beliebige Masse m, dann kann die zum Verdampfen des Körpers erforderliche Verdampfungswärme mit folgender Gleichung berechnet werden:

QV=qVm                  qV     spezifische Verdampfungswärme                  m      Masse des Körpers

Die spezifischen Verdampfungswärmen verschiedener Stoffe sind in Bild 5 angegeben.

Deutung des Siedens und Kondensierens mit dem Teilchenmodell

Mit dem Teilchenmodell lassen sich die Vorgänge beim Sieden folgendermaßen deuten: Bei Zufuhr von Wärme erhöht sich die kinetische Energie der Teilchen der Flüssigkeit. Die Teilchen bewegen sich heftiger, ihr mittlerer Abstand voneinander vergrößert sich. Schließlich können sie die Flüssigkeit verlassen und sich beliebig gegeneinander bewegen. Der Stoff liegt dann als Gas vor.

Beim Kondensieren vollziehen sich die Vorgänge in umgekehrten Richtung: Bei Wärmeabgabe verringert sich die kinetische Energie der Teilchen. Auch ihr mittlerer Abstand voneinander verringert sich. Schließlich werden sie aneinander gebunden und liegen dann wieder als Flüssigkeit vor.

Spezifische Verdampfungswärme von Stoffen
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