Natur- und Umweltschutzorganisationen

Natur- und Umweltschutzorganisationen sind nichtstaatlich, gemeinnützig und nicht kommerziell. Ihre besondere Stärke ist die Praxisnähe, große Sachkenntnis, Flexibilität und Unabhängigkeit. Sie machen Missstände im Umweltschutz öffentlich und mit unterschiedlichen Mitteln wird Druck auf die Verantwortlichen ausgeübt.

Wirksamer Natur- und Umweltschutz ist ohne Umweltverbände nicht mehr denkbar. Ihre Mitarbeit wird national und international als hilfreich und notwendig beurteilt. In wichtigen internationalen Dokumenten, wie der Agenda 21, wird sogar angestrebt, Umweltverbänden eine größere Rolle bei politischen Entscheidungen zuzuweisen. In der BRD ist ihre Mitarbeit im Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) mit dem § 29 „Anerkennung von Naturschutzverbänden“ fixiert.

Durch die Aufgabenbreite und Zunahme an Bedeutung des Naturschutzes ist die Zahl der Natur- und Umweltschutzorganisationen global nicht mehr überschaubar. Bekannte internationale und nationale Organisationen sind beispielsweise:

  • Internationale Organisation für Naturschutz (IUCN),
  • World Wide Fund for Nature (WWF),
  • Greenpeace,
  • Naturschutzbund Deutschland (NABU),
  • Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND),
  • RobinWood,
  • Deutscher Tierschutzbund (DTSchB).

Internationale Organisation für Naturschutz (IUCN)

IUCN, die „International Union for the Conservation of Nature“, wurde am 05.10.1948 in Fontainbleau, Frankreich gegründet und nennt sich seit 1990 „IUCN – The World Conservation Union“. Zentrale Aufgaben der IUCN sind die Erarbeitung von wissenschaftlichen Grundlagen, Strategien, Richtlinien und Methoden für den Naturschutz. Verbunden ist dies mit der Ausarbeitung internationaler Übereinkommen und der Beratung bei Vorhaben zur Gesetzgebung im Natur- und Umweltschutz. Dem Hauptsitz von IUCN in der Schweiz stehen Mitarbeiter in Länder- und Regionalbüros von 42 Staaten zur Seite.

IUCN ist eine einzigartige Union. Weltweit zählen dazu über 1000 Mitglieder, darunter 84 Regierungen, 116 Regierungsstellen und 806 Nichtregierungsorganisationen (NGO). Auch die BRD mit dem Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BfN) ist Mitglied der IUCN, des Weiteren z. B. das Bundesamt für Naturschutz (BfN), WWF Deutschland, NABU und der Zoologische Garten Köln.

Alle vier Jahre findet der IUCN Weltkongress statt. Das breite Spektrum der Mitglieder macht den Kongress zu einem einzigartigen globalen Informations- und Diskussionsforum über die aktuellsten Fakten und Trends im Natur- und Ressourcenschutz. Der Kongress im September 2012 in Jeju,Korea steht unter dem Thema „Nature+“. In den Jahren 2004 (Bangkok, Thailand: People and Nature – only one world) und 2008 (Barcelona, Spanien: Working for a just world that values and conserves nature) wurde die Weltöffentlichkeit für das globale Thema des Umwelt- und Naturschutzes sensibilisiert. Herausgestellt wurde dabei u. a., dass Naturschutz in einen Kontext gestellt werden muss, der auch ökonomischen und sozialen Aspekten Rechnung trägt.

Bei der IUCN bestehen sechs Kommissionen zu Themen wie Naturschutz, Ökonomie und Politik, Umweltrecht und Bildung. Mit über 100 Spezialistengruppen für einzelne Tier- und Pflanzengruppen ist die „Species Survival Commission“ (SSC) die größte dieser Kommissionen und die weltweit maßgebendste Informationsquelle über bedrohte Tier- und Pflanzenarten. Veröffentlicht werden diese Informationen in den internationalen „Red Data Books“ und sie sind die Basis für die CITES Listen. Insgesamt sind in den Kommissionen über 11 000 Wissenschaftler und Experten aus über 180 Ländern und verschiedensten Bereichen ehrenamtlich tätig und bilden neben den über 1 000 hauptamtlichen Mitarbeitern die fachliche Säule der Arbeit von IUCN.

World Wide Fund for Nature (WWF)

Am 11.09.1961 wurde in der Schweiz der WWF als „World Wildlife Fund“ gegründet. Anfangs fungierte der WWF als reiner „Geldsammelverein“ zum Ankauf von Flächen und zur Rettung bedrohter Arten. Dies änderte sich in den 70er-Jahren, als zielgerichtete Programme für Mensch und Natur, Ursachenforschung der Naturzerstörung, Umweltbildung und politische Lobbyarbeit hinzukamen. Aufgrund der breiteren Aufgabenstellung erfolgte 1986 die Umbenennung in „World Wide Fund for Nature“. Das Symbol des WWF ist der Große Panda.

Der WWF ist mit einem globalen Netzwerk von 59 nationalen Organisationen, Programmbüros in über 90 Ländern und etwa 5 Millionen Förderern eine der größten unabhängigen Naturschutzorganisationen der Welt. Bis 2001 hatte der WWF über 2,8 Milliarden Euro gesammelt und weltweit über 11 000 Naturschutzprojekte durchgeführt. Die aktuellen Zahlen sind den jeweiligen Jahresberichten zu entnehmen. Doch allein seit der Gründung kann der WWF auf mehr als 300 geschützte Gebiete und mehr als 2 Mio. Quadratkilometer geschützter Natur verweisen.

„Kooperation statt Konfrontation“ war jederzeit der Ansatz der Arbeit des WWF. So initiiert der WWF z. B. strategische Allianzen mit der Wirtschaft bei der Einführung umweltverträglicher Produkte, in welchen sich Unternehmen durch Sponsoring, Lizenzen und Patenschaften für den Naturschutz engagieren können.

„Naturschutz für und mit Menschen“ ist das Prinzip, nach dem der WWF handelt. Dabei lässt er sich von folgenden Zielen leiten:

1.Bewahrung der Diversität von Pflanzen- und Tierarten und ihrer natürlichen Lebensräume,
2.naturverträgliche Nutzung natürlicher erneuerbarer Ressourcen,
3.Förderung von Wirtschaftsprozessen und Maßnahmen, die Umweltverschmutzung, Ressourcen- und Energieverschwendung verhindern.

Greenpeace

In einem alten Fischerboot protestierte 1971 eine kleine Gruppe Umweltaktivisten an der Westküste Alaskas gegen dortige Nukleartests der USA. Dies sollte die Geburtsstunde von Greenpeace werden. Heute ist Greenpeace eine globale Organisation mit Sitz in Amsterdam, Niederlande, hat rund 3 Millionen Förderer weltweit und Büros in 41 Ländern. Greenpeace Deutschland wurde 1980 gegründet. Zur Wahrung der Unabhängigkeit akzeptiert Greenpeace keine Spenden von Staaten, Parteien und der Industrie, sondern nur von Personen und Stiftungen.

Greenpeace unterstützt keine flächenbezogenen Naturschutzprojekte, sondern richtet seine Aktivitäten vorrangig auf den Umweltschutz und setzt auf die politische Arbeit und die Aufklärung der Bevölkerung. Greenpeace baut dabei auf eine breite Basis ehrenamtlicher Helfer. Kinder engagieren sich in GreenTeams und Jugendliche in Jugend-AGs.

Umweltschutz kommt ohne Forschung nicht aus und Greenpeace unterhält eigene Forschungslabore, die 'Greenpeace International Research Laboratories', an der Exeter Universität, England.

Greenpeace steht für kreative, gewaltfreie Konfrontation zu Wasser und zu Lande. Eine wichtige Rolle haben dabei die Greenpeace-Schiffe, das bekannteste davon ist die 'Rainbow Warrior'. Mit spektakulären Kampagnen und Aktionen macht Greenpeace Umweltverbrechen öffentlich und erzeugt Druck auf die Verursacher. Kampagnen von Greenpeace sind beispielsweise:

  • Stoppt die Jagd auf Wale!
  • Rettet die Ozeane!
  • Nein zur Gentechnik!
  • Stoppt die nukleare Gefahr!

Naturschutzbund Deutschland (NABU)

Seit über 100 Jahren engagiert sich der NABU aktiv für Mensch und Natur. 1899 in Stuttgart als „Bund für Vogelschutz“ (BfV) gegründet, setzte sich der Verein vorrangig für die Unterschutzstellung von Vogelarten und die Errichtung von Vogelschutzgebieten ein. Nach einer wechselvollen Geschichte wird 1990 der damals gültige Name „Deutscher Bund für Vogelschutz (DBV)“ in „Naturschutzbund Deutschland (NABU)“ umgeändert und mit dem Naturschutzbund der DDR vereinigt. Wappentier des NABU ist seit 1966 der Weissstorch.

Der NABU ist mit über 460 000 Mitgliedern (2010), davon rund 1/5 in der Naturschutzjugend (NAJU), bundesweit die größte Naturschutzorganisation. Das NABU-Mitgliedermagazin „Naturschutz heute“ ist die auflagenstärkste Natur- und Umweltzeitschrift im deutschsprachigen Raum.

Der NABU zeigt vielfältiges Engagement mit Naturschutz vor Ort, wissenschaftlicher Forschung, Umweltbildung und Öffentlichkeitsarbeit. Und da die Natur keine Grenzen kennt, stellt sich der NABU auch mit internationalen Projekten der globalen Verantwortung für den Schutz der biologischen Vielfalt. Dazu einige Beispiele:

  • Zum Schutz wertvoller Lebensräume kauft die „NABU-Stiftung Nationales Naturerbe“ Flächen von herausragender Bedeutung für den Naturschutz an und sichert so Naturparadiese als Lebensstätten für bedrohte Arten. Der NABU besitzt heute weit über 5 000 Naturschutzflächen in ganz Deutschland mit bundesweit über 220 000 Hektar Schutzgebiete, die gekauft oder gepachtet oder die durch Absprachen und Betreuungsverträge in die Obhut des NABU gegeben sind.
  • Der NABU-Bundesverband unterhält zwei wissenschaftliche Institute: Das NABU-Institut für Vogelschutz in Bergenhusen und das NABU-Institut für Ökologie und Naturschutz in Eberswalde. Die Blumberger Mühle, ein Informations- und Bildungszentrum für die Bevölkerung, wurde im Frühjahr 1997 in der Schorfheide-Chorin bei Berlin eröffnet.
  • Seit 1971 bestimmt der NABU alljährlich den „Vogel des Jahres“. Der Gartenrotschwanz ist Vogel des Jahres 2011.
  • 1999 begann das Artenschutzprojekt „Schneeleopard“ in Kirgisistan zur Rettung der dort lebenden letzten und durch Wilderei bedrohten 260 Tiere.
  • NABU und Kindernothilfe starten gemeinsame Spendenaktion für den Arabuko-Sokoke-Wald in Kenia. Ziel ist Schaffung alternativer Einkommensquellen zur Rettung des durch Abholzung bedrohten Walds.

Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND)

Der 20.07.1975 war der Gründungstag des Bunds für Natur- und Umweltschutz Deutschland (BNUD), der sich 1977 den heutigen Namen Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) gab. Bekanntestes Gründungsmitglied war PROF. BERNHARD GRZIMEK.

Der BUND hat über 480 000 Mitglieder (2010) in mehr als 2 000 Orts- und Kreisgruppen. Das BUNDmagazin informiert über zentrale Fragen des Umwelt- und Naturschutzes und die Arbeit des BUND. Die Jugendorganisation des BUND ist die BUNDjugend.

Der BUND ist einer der „...Schrittmacher des Umweltschutzes...“ (JÜRGEN TRITTIN) und engagiert sich aktiv in vielen Bereichen z. B. dem Tier- und Artenschutz, für den Ausbau regenerativer Energien, Schutz des Walds und der Gewässer, Müllvermeidung und gesunde Lebensmittel. Verbunden ist dies mit der Entwicklung konkreter Alternativen, wie durch die maßgebliche Mitarbeit am Konzept der Ökosteuer, die Initiierung gentechnikfreier Regionen für die konventionelle und ökologische Landwirtschaft und den Ankauf bedrohter Flächen.

Der BUND hat ein breites Spektrum verschiedener Maßnahmen.
Ehrenamtliche Arbeitskreise arbeiten und informieren zu Themen wie dem Klimaschutz, der Verkehrsproblematik, der Bio- und Gentechnologie und beteiligen sich an Anhörungen des Bundestags.
In spektakulären Kampagnen und öffentlichen Aktionen werden umweltpolitische Defizite aufgedeckt und die Öffentlichkeit wird aufgeklärt. Beispiele: Protestaktionen gegen die Magnetschwebebahn, gegen Gentechnik in der Landwirtschaft, für einen sofortigen Ausstieg aus der Atomkraft.
Der BUND setzt auf Kooperation und engagiert sich in einem breiten gesellschaftlichen Bündnis verschiedener Umweltverbände, Automobil- und Verkehrsclubs, Deutscher Bahn und Kinderschutzorganisationen.
Der BUND setzt sich international für eine nachhaltige Umweltpolitik ein und ist der nationale Vertreter von 'Friends of the Earth International' (FoEI), der weltweit größten Föderation von Umweltverbänden.

RobinWood

Der Verein wurde 1982 gegründet, um mit gewaltfreien Aktionen auf das Waldsterben und seine Ursachen aufmerksam zu machen. Inspiration für den Namen RobinWood gab die legendäre Gestalt des Robin Hood.
Ursprünglich nur eine kleine Gruppe, hat der Verein mittlerweile über 3 000 Mitglieder, in rund 20 Städten arbeiten Regionalgruppen. Die Arbeit des Vereins wird überwiegend von ehrenamtlichen und einigen hauptamtlichen MitarbeiterInnen getragen.

Zu Beginn war vor allem der saure Regen als Ursache des Waldsterbens das Thema der Aktionen von RobinWood. Schwefelhaltige Abgase aus Großkraftwerken und der Industrie waren als Hauptursache des sauren Regens bekannt und etliche Schornsteine wurden von Umweltkletterern besetzt und mit Mahn- und Protesttransparenten garniert.

Weitere Themen sind seitdem hinzugekommen: RobinWood arbeitet gegen die Zerstörung der Wälder und Tropenwälder, gegen Energieverschwendung und für eine vernünftige Verkehrspolitik. RobinWood macht diese Probleme öffentlich auf Protestaktionen, Vorträgen, Informationsveranstaltungen, im eigenen RobinWood Magazin sowie in Broschüren und Faltblättern. RobinWood bestimmt alljährlich von den am stärksten geschädigten Baumarten den „Baum des Jahres“, 2011 ist es die Elsbeere. Forderungen von RobinWood sind beispielsweise:

  • Sofortiger Ausstieg aus der Atomenergie! Stoppt alle Atommülltransporte!
  • Bessere Erforschung regenerativer Energien!
  • Importverbot für Holz und Holzprodukte, die aus einer zerstörerischen Waldnutzung stammen! Steigerung des Altpapiereinsatzes bei der Papierherstellung! Erweiterung des Angebots von Produkten aus Recyclingpapier!
  • Erhalt von Baumalleen!
  • Mehr Mittel für die Umlenkung des Verkehrs von der Straße auf die Schiene!

Deutscher Tierschutzbund (DTSchB)

1881 wurde der Deutsche Tierschutzbund (DTSchB) als Dachorganisation der Tierheime und Tierschutzvereine in Deutschland gegründet. Als seine zentrale Aufgaben betrachtet der Tierschutzbund die Förderung des Tier- und Naturschutzgedankens und den praktischen Einsatz vor Ort zum Wohle aller Tiere.

Mit über 800 000 Mitgliedern aus allen Teilen der Bundesrepublik und mehr als 700 örtlichen Tierschutzvereinen mit über 500 vereinseigenen Tierheimen ist der Deutsche Tierschutzbund die größte Tier- und Naturschutzdachorganisation Europas. Die Jugendorganisation des Tierschutzbunds ist die Deutsche Tierschutzjugend (DTJ).

Der Deutsche Tierschutzbund bietet aktive Hilfe bei der Tiervermittlung, der Versorgung herrenloser Hunde und Katzen und der Suche von vermissten Tieren. Der Tierschutzbund unterstützt Tierschutzinitiativen im europäischen Ausland und setzt sich gemeinsam mit anderen Umweltschutzorganisationen für den Kampf gegen die Ausrottung von Tierarten, z. B. der Meeresschildkröten, Wale und Robben, ein.

Das offizielle Organ des Tierschutzbunds ist die Zeitschrift Du und das Tier, die über Fragen des Tier-, Natur- und Umweltschutzes informiert. Darüber hinaus gibt es zahlreiche Publikationen, Broschüren und Informationsmaterialien. Ein wichtiges Protestmittel gegen Missstände in der Tierhaltung sind nationale und internationale Kampagnen, z. B.:

  • Stoppt sinnlose Tiertransporte!
  • Schluss mit Tierversuchen!
  • Anti-Pelz-Kampagne!
  • Kein Ei aus Quälerei!

Stand: 2010
Dieser Text befindet sich in redaktioneller Bearbeitung.

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