Biologische Waffen

Wirkung biologischer Waffen im Vergleich zu chemischen Waffen

20. März 1995: In der Untergrundbahn von Tokio setzten unbekannte Täter das Nervengas Sarin frei. Zwölf Menschen starben, 5 500 wurden verletzt. Sarin ist ein gefährliches Giftgas und wirkt in reiner Form durch Hautkontakt oder das Einatmen seiner Dämpfe innerhalb weniger Minuten tödlich. Dass es nicht mehr Tote in Tokio gab, lag nur an einer Verunreinigung des Wirkstoffs.

Sarin wurde in den 1930er-Jahren in Deutschland als chemischer Kampfstoff entwickelt, der das Nervensystem schädigt.

Versetzen chemische Waffen die Menschen in Angst und Schrecken, so sind biologische Waffen ein weitaus schlimmerer Albtraum. Denn biologische Waffen sind Bakterien und Viren. Diese sind fortpflanzungsfähig und verbreiten sich sehr schnell. Gelangen sie in die Umwelt, können sie sich vermehren und im Gegensatz zu jeder anderen Waffe ihr Vernichtungspotenzial mit der Zeit vervielfachen. Beste Bespiele dafür sind die rasante Ausbreitung von Pest, Cholera, Pocken im Mittelalter und deren verheerende Folgen für die Menschen der damaligen Zeit.

Mögliche biologische Waffen

Jedes Mikrolebewesen, das bei anderen Lebewesen (Mensch, Tier, Pflanze) Krankheit und Tod verursacht, ist als Ausgangsbasis für die Produktion von biologischen Waffen bestens geeignet. Aber auch Giftstoffe, die von Pflanzen und Tieren zum Schutz ihrer eigenen Art produziert werden, können als biologische Waffen eingesetzt werden. Dazu gehören beispielsweise Pilzgifte, Schlangengifte oder das Lähmungsgift Curare. Diese Gifte kann man auf unterschiedliche Art und Weise gegen einen potenziellen Gegner einsetzen:

  • durch Versprühen eines feinen Nebels, den Menschen dann einatmen,
  • durch Vergiften des Trinkwassers,
  • durch Vergiften der Nahrung oder
  • durch Hautkontakt.

Mögliche Krankheitserreger sind:

  • Bacillus anthraci: Diese Bakterien verursachen Milzbrand.
  • Die von dem Bakterium Clostridium botulinum abgegebenen Giftstoffe verursachen eine Lebensmittelvergiftung (Botulismus).
  • Yersinia pestis: Diese Bakterien verursachen die Beulenpest.
  • Ebola-Virus: Das Ebola-Virus verbreitet sich extrem schnell, dadurch ist die Ebola-Virus-Krankheit extrem ansteckend und endet tödlich.

Der Einsatz biologischer Waffen gestern und heute

Der Einsatz von Krankheitserregern in Kriegszeiten ist zum Glück nicht so häufig. Der erste historisch belegte Einsatz von Mikroorganismen fand 1346 auf der Halbinsel Krim statt. Tataren belagerten die Stadt Kaffa, konnten die Mauer der Stadt aber nicht bezwingen. Da kamen sie auf die Idee, eine Pestleiche in die Stadt zu katapultieren und lösten damit eine verheerende Epidemie aus. Allerdings blieben auch sie später nicht von der Epidemie verschont.

Ein weiterer Fall ist aus dem 18. Jahrhundert bekannt. Als Großbritannien noch Kolonialmacht in Nordamerika war, soll ein Offizier blatternverseuchte Decken aus einem Krankenhaus an Indianer verteilt haben, um unter den Stämmen eine Epidemie auszulösen. Auch aus dem 20. Jahrhundert kann man von derartigen Einsätzen berichten: In den 30er- und 40er-Jahren setzte Japan Pestbakterien und andere Erreger gegen China ein.

Schutz vor biologischen Waffen – fast unmöglich

Der Einsatz biologischer Waffen ist nicht nur wegen der raschen Ausbreitung so gefährlich, sondern auch deshalb, weil man die Bevölkerung gegen biologische Angriffe kaum schützen kann. Mithilfe von Impfungen kann man einigen Krankheiten vorbeugen. Das setzt aber voraus, dass der Erreger, der zum Einsatz kommt, schon vorher bekannt ist. Der Einsatz von Antibiotika ist ebenfalls nicht optimal, denn sie wirken nur gegen bestimmte Bakterien. Außerdem entstehen ständig neue, resistente Bakterienstämme. Erschwerend kommt noch hinzu, dass sich beim heutigen Stand der Gentechnologie gezielt Organismen erschaffen lassen, gegen die Impfstoffe und Antibiotika wirkungslos sind.

Der physische Zustand der Bevölkerung spielt als Schutzfaktor ebenfalls eine große Rolle. Die meisten biologischen Substanzen wirken nicht auf gesunder Haut, Atemmasken und Schutzkleidung bieten daher meist ausreichenden Schutz. Die Ansteckungsgefahr nimmt in vielen Fällen bereits nach kurzer Zeit ab, weil Sonnenlicht und Umgebungstemperatur die Erreger abtöten. Aber eine Reihe von Mikroorganismen können sich beliebig lange halten. Beispielsweise blieb die Insel Gruinard vor der schottischen Küste vierzig Jahre lang mit Milzbrand-Sporen verseucht, seit man dort in den 1940er-Jahren biologische Waffen getestet hatte. Im Jahre 1981 meinte der damalige Leiter der britischen chemisch-biologischen Verteidigungsbehörde REX WATSON, wenn man Berlin während des Zweiten Weltkriegs mit Milzbrand-Bakterien (Bacillus anthracis) angegriffen hätte, wäre die Stadt noch heute verseucht.

Wirksamster Schutz gegen biologische Waffen: Vorbeugung

Die wirksamste Maßnahme gegen biologische Anschläge wird immer die Vorbeugung bleiben. Deshalb muss man auf internationaler Ebene Maßnahmen treffen, um den kommerziellen Austausch von Krankheitserregern besser überwachen und reglementieren zu können. Anfang 1996 verabschiedete man in den USA das Antiterrorismus-Gesetz. Damit ist man diesen beiden Zielen ein Stück näher gekommen. Es gibt außerdem Vereinigungen, in denen sich Wissenschaftler damit beschäftigen, Krankheiten bereits im Anfangsstadium zu erkennen und einzudämmen.

Dazu gehört beispielsweise das „Program to Monitor Emerging Diseases“ (ProMED; Programm zur Beobachtung aufkommender Krankheiten), das die 3 000 Mitglieder starke Federation of American Scientists 1993 vorgeschlagen hat. ProMED richtet sich in erster Linie gegen ausbrechende Krankheiten selbst. Man ist sich jedoch auch der Möglichkeit absichtlich verursachter Seuchen bewusst. Deshalb sollen grundlegende Daten über Epidemien in aller Welt gesammelt werden, aber auch ungewöhnliche Krankheitsfälle rasch registriert und Maßnahmen zur Eindämmung vorbereitet werden. Daraus leiten sich dann jeweils Ratschläge für Handel und Touristik ab. Mit einem solchen Programm könnte man biologische Anschläge leichter entdecken, als es zur Zeit möglich ist.

Außerdem müsste die Biowaffen-Konvention der Vereinten Nationen von 1972, die bis heute 164 Staaten unterzeichnet haben (Stand 2009), durch Maßnahmen auf ihre Einhaltung überprüft werden, z. B. durch Inspektionen vor Ort. (Biowaffen-Konvention ist die Konvention über das Verbot der Entwicklung, Herstellung und Lagerung bakteriologischer (biologischer) Waffen und Toxinwaffen.)

Biologische Kampfmittel und ihre Wirkung

Bacillus anthraci: Diese Bakterien verursachen Milzbrand. Atmet man die Bakterien ein, treten nach zwei bis drei Tagen erste Symptome auf, diese ähneln einer gewöhnlichen Atemwegsinfektion. Dann folgen hohes Fieber, Erbrechen, Gelenkschmerzen, Atemprobleme sowie innere und äußere Blutungen. Die Milz schwillt an und verfärbt sich brandig, am Ende tritt der Tod ein. Impfung und Antibiotika schützen bzw. helfen nur bei nicht allzu starker Ansteckung.

Die von dem Bakterium Clostridium botulinum abgegebenen Giftstoffe verursachen eine Lebensmittelvergiftung (Botulismus). Zwölf Stunden, manchmal auch erst vier bis sechs Tage oder gar zwei Wochen nach Einatmen oder Verzehr treten als erste Symptome Übelkeit und Durchfall auf. Später folgen Schwäche, Benommenheit und Hirnstörungen mit Atemlähmung, oft mit tödlichem Ausgang. Ein Gegengift kann manchmal helfen.

Yersinia pestis: Diese Bakterien verursachen die Beulenpest. Im Mittelalter war diese Seuche als „Schwarzer Tod“ gefürchtet. Erreichen die Bakterien die Lunge, treten nach ein bis zwei Tagen schwere Symptome (Atemnot, Husten, Lungenödem und Fieberdelirium) auf. Wird die Krankheit nicht behandelt, verläuft sie fast immer tödlich. Impfstoffe schützen, Antibiotika helfen bei sofortiger Anwendung.

Ebola-Virus: Das Ebola-Virus verbreitet sich extrem schnell, dadurch ist die Ebola-Virus-Erkrankung extrem ansteckend und endet tödlich. Außerhalb des tierischen oder menschlichen Wirtskörpers ist das Virus nicht sehr stabil, daher dürfte es als biologischer Kampfstoff ungeeignet sein. Symptome (zwei oder drei Tagen nach Ansteckung): plötzliches hohes Fieber, Delirium, extreme Gelenkschmerzen, Durchfall, Erbrechen, Blutungen aus den Körperöffnungen und Krämpfe. Bald darauf folgt der Tod. Gegenmittel sind bisher nicht bekannt.

Stand: 2010
Dieser Text befindet sich in redaktioneller Bearbeitung.

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