Lebensmittelfarbstoffe

Bei der Herstellung von Lebensmitteln werden häufig auch Farbstoffe verwendet. Das Färben von Lebensmitteln hat vor allem den Grund, dem Verbraucher das Lebensmittel schmackhafter und attraktiver erscheinen zu lassen: „Das Auge isst mit“. Die Notwendigkeit, ein Lebensmittel zu färben, kann verschiedene Ursachen haben:

Bei der Verarbeitung oder Lagerung entstehen Farbveränderungen oder Farbverluste. Durch nicht färbende Inhaltsstoffe kann das Lebensmittel beispielsweise schwächer gefärbt sein als es der Konsument erwartet. So ist Milchspeiseeis mit Fruchtgeschmack durch die Milch bzw. Sahne von sich aus sehr hell. Um Blaubeereis richtig blau und Himbeereis richtig rot aussehen zu lassen, werden Farbstoffe zugegeben.
Eine pH-Verschiebung bei der Herstellung oder der Lagerung kann eine Farbveränderung verursachen, die das Lebensmittel unansehnlich werden läßt (z. B. Fruchtjoghurt).
Bei Lebensmitteln, die an sich farblos oder nur sehr schwach gefärbt sind, wird durch die Färbung der typische Geschmack unterstrichen (z. B. Cola oder Vollkornbrot).
Viele Nahrungsmittel enthalten Farbstoffe

Viele Nahrungsmittel enthalten Farbstoffe

Speiseeis enthält Lebensmittelfarbe.

Speiseeis enthält Lebensmittelfarbe.

Farbstoffe, die zur Färbung von Lebensmitteln verwendet werden dürfen, müssen für diesen Zweck zugelassen sein und sind in der Lebensmittelzusatzstoffverordnung (E-Nummern-Liste, Bild 3) aufgeführt.
Die eingesetzten Farbstoffe kann man in natürliche, naturidentische und künstliche Farbstoffe unterteilen.

1. Natürliche Farbstoffe:

Natürliche Farbstoffe werden aus natürlichen Rohstoffen (tierischem oder pflanzlichem Material) isoliert.

Liste zugelassener Farbstoffe mit E-Nummer

Liste zugelassener Farbstoffe mit E-Nummer

Isoprenoidderivate:

Isoprenoidfarbstoffe bestehen aus einzelnen Isopren-Einheiten. Sie sind durch eine lange Kette konjugierter Doppelbindungen gekennzeichnet. Zu den wichtigsten Isoprenoiden gehören die Carotinoide. Carotinoide sind im Tier- und Pflanzenreich weit verbreitet. Sie sind unter anderem in Möhren, Paprika, Tomaten und Orangen, aber auch in Lachs und Hummerschalen (Lutein) für die Färbung verantwortlich. Großtechnisch werden sie durch Extraktion aus Mohrrüben gewonnen.
Der bekannteste Vertreter ist das beta-Carotin (βCarotin Bild 4), auch Provitamin A genannt. Es wird im Körper zu Vitamin A (Retinol) umgewandelt, welches am Sehvorgang beteiligt ist. Außerdem wird diesem Vitamin in den Medien eine Rolle als Radikalfänger in der Krebsvorsorge zugeschrieben, was wissenschaftlich jedoch nicht erwiesen ist.
Dennoch ist gerade βCarotin ein Beispiel dafür, dass „natürlich“ nicht mit „unbedenklich“ gleichzusetzen ist. Nach neueren Erkenntnissen erhöht βCarotin bei Rauchern das Risiko, an Lungenkrebs zu erkranken, weswegen die Verwendung von βCarotin eingeschränkt werden sollte.

β-Carotin kommt u. a. in der Mohrrübe vor.

β-Carotin kommt u. a. in der Mohrrübe vor.

Tetrapyrrolderivate:

Die Tetrapyrrolderivate, die für die Lebensmittelfärbung von Bedeutung sind, besitzen ein Porphyrin-Grundgerüst. Zu den Porphyrinen gehören neben den Chlorophyllen, die in allen Pflanzen (Fotosynthese), aber auch in Bakterien vorkommen, die Hämfarbstoffe (Hämoglobin = Farbstoff des Blutes). Gemeinsam ist allen Porphyrinfarbstoffen ein Metallion als Zentralatom, Eisen bei den Hämfarbstoffen und Magnesium bei den Chlorophyllen (Bild 5).
Der grüne Blattfarbstoff Chlorophyll a ist in allen grünen Gemüsen, v. a. in Salat, in Spinat und Kohl, aber auch in Kartoffeln enthalten. Bei der Lagerung der Lebensmitteln wird das Magnesium-Ion durch Wasserstoff ersetzt, wodurch eine oliv-bräunliche Farbe entsteht, die das Gemüse unansehnlich macht. Außerdem ist Chlorophyll a wegen des langkettigen Phytolrestes im Ester nicht wasserlöslich. Daher verwendet man zur Färbung von Lebensmitteln modifizierte Chlorophylle. Einerseits wird das Magnesium durch Kupfer ersetzt, das stabilisiert den Komplex und erhält damit die Farbe der Verbindung. Andererseits verseift man den Ester und spaltet den Phytolrest ab, sodass die Verbindungen wasserlöslich werden. Chlorophyll wird aus Luzernen oder Brennesseln extrahiert und u. a. zur Färbung von Cremespeisen, Likören, Süßwaren und Getränken verwendet.

Strukturformel von Chlorophyll und Häm (aus Hämoglobin)

Strukturformel von Chlorophyll und Häm (aus Hämoglobin)

Anthocyane:

Anthocyane sind als Blüten- und Fruchtfarbstoffe in der Pflanzenwelt weit verbreitet (Bild 6). Ihr Farbspektrum reicht von rot über violett bis blau. Die große Variationsbreite der Blütenfärbungen beruht auf der Mischungen verschiedener Anthocyane, der Anwesenheit von unlöslichen Pigmenten und gelbem Flavon. Zusätzlich spielt der pH-Wert der Zellflüssigkeit eine Rolle.
Anthocyane bestehen aus einem Benzopyran-Grundkörper, an den eine Phenylgruppe und mehrere Hydroxy-Gruppen substituiert sind. An einer Hydroxy-Gruppe ist ein Zucker glycosidisch gebunden. Für die Farbigkeit spielt die Anwesenheit des Zuckers keine Rolle. Als Farbstoff werden die Aglyca (Moleküle bei denen der Zucker fehlt) eingesetzt. Diese Aglyca werden als Anthocyanidine bezeichnet und gehören zu den Polymethinfarbstoffen. Anthocyane werden aus blauen Trauben, Kirschen oder Preiselbeeren gewonnen und zur Färbung von Süßwaren und Getränken eingesetzt.

Betalaine:

Die Betalaine haben alle die gleiche Grundstruktur. Je nach der Verlängerung des mesomeren Systems durch die Reste R1 und R2 variieren die Farben von gelb bis rot. Der Hauptbestandteil des Rote-Beete-Farbstoffes ist das Betanin. Es wird als Extrakt aus den Wurzeln der Roten Beete gewonnen.

Curcuminoide:

Curcuminoide werden aus der Wurzel von Curcuma longa und Curcuma xanthorhiza (Gelbwurzel) gewonnen. Das Curcumin aus dieser Gruppe bildet die gelbe Farbe des Curry, wird aber auch einzeln als Gewürz verwendet.

Cochenille:

Cochenille ist der einzige Lebensmittelfarbstoff, der aus tierischem Material gewonnen wird. Er wird aus Schildläusen extrahiert, stammt aber eigentlich aus dem Saft des Feigenkaktus, der von den Läusen gesaugt wird. Cochenille gehört zu den Anthrachinonfarbstoffen und ist wegen der vielen Hydroxy-Gruppen und dem glycosidisch gebundenen Zucker wasserlöslich. Die Substanz gibt z. B. dem Campari® seine typische Farbe.

Anthocyane werden u. a. aus Kirschen gewonnen.

Anthocyane werden u. a. aus Kirschen gewonnen.

2. Naturidentische Farbstoffe:

Als naturidentische Farbstoffe bezeichnet man Substanzen, die natürlicherweise in pflanzlichem oder tierischem Material vorkommen, die aber in der Regel aus wirtschaftlichen Gründen synthetisch hergestellt werden.
Ein Beispiel für diese Gruppe ist Riboflavin, ein gelber Farbstoff, der auch als Vitamin B2 bekannt ist. Hefe, Leber, Milch und Eier sind besonders reich an Riboflavin (Bild 7). Aus Milch wurde es erstmals isoliert und erhielt den Namen Lactoflavin. Heutzutage wird Riboflavin synthetisch hergestellt. Als Farbstoff wird es z. B. in Vanillepudding und Gebäck eingesetzt.

3. Synthetische Farbstoffe:

Die meisten Farbstoffe in der Lebensmittelindustrie sind künstlich hergestellt und werden daher synthetische Farbstoffe genannt.

Azofarbstoffe:

Die Azofarbstoffe bilden die größte Gruppe der synthetischen Farbstoffe. Ihr hauptsächliches Einsatzgebiet ist die Textilfärbung. Anfang des 20. Jh. wurden sie immer häufiger zur Färbung von Lebensmitteln verwendet, denn sie haben gute Färbeeigenschaften und lassen sich gut miteinander mischen, sodass beinahe jeder Farbton möglich wird. Bereits in den 30er Jahren stellte man allerdings fest, dass eine große Zahl dieser Verbindungen gesundheitsschädlich und krebserregend ist. Daher wurde z. B. der bis dahin zur Färbung von Margarine verwendete Farbstoff Buttergelb bereits 1938 verboten. Im Lebensmittelbereich werden Azofarbstoffe daher heute nur noch zurückhaltend eingesetzt. Tartrazin, Cochenillerot sind zugelassene Azofarbstoffe, weil sie wasserlöslich sind und schnell aus dem Körper ausgeschieden werden.

Riboflavin ist reichlich in Eiern enthalten.

Riboflavin ist reichlich in Eiern enthalten.

Triarylmethanfarbstoffe:

Das blaue Patentblau V und das grüne Brilliantsäuregrün AS gehören in die Gruppe der Triarylmethanfarbstoffe. Sie werden in Süßwaren und Getränken eingesetzt (Bild 8). Da sie vom Körper nicht aufgenommen werden, sondern unverändert ausgeschieden werden, gelten sie als unproblematisch.

Erst durch Lebensmittelfarbstoffe werden Süßigkeiten so bunt.

Erst durch Lebensmittelfarbstoffe werden Süßigkeiten so bunt.

Indigofarbstoffe:

Da Indigo selbst nicht wasserlöslich ist, ist es für die Lebensmittelfärbung wenig geeignet. Durch die Einführung von Sulfonsäure-Gruppen erhält man Indigotin, einen wasserlöslichen blauen Farbstoff (Bild 9). Das Glycosid des Indigotin kommt auch natürlicherweise in der Indigopflanze vor und wird schon seit Jahrhunderten zur Färbung von Stoffen benutzt.

Färbende Lebensmittel:

Ein neuer Trend in der Lebensmitteltechnologie ist es, an Stelle von Farbstoffen modifizierte, färbende Lebensmittel einzusetzen. Dies hat für die Herstellerfirmen den Vorteil, dass sie nicht unter die Lebensmittelzusatzstoffverordnung fallen und daher auf der Deklaration nicht als Farbstoff erscheinen müssen.
Auf der Grundlage von Johannisbeeren, Holunder, Hibiskus, Rotkohl, Curcuma, Brennessel u. v. a. werden mit Hilfe moderner biochemischer und enzymatischer Verfahren stabile Farbkonzentrate mit guten technologischen Eigenschaften hergestellt.

Indigo wird u. a. zum Färben von Jeans genutzt.

Indigo wird u. a. zum Färben von Jeans genutzt.

Stand: 2010
Dieser Text befindet sich in redaktioneller Bearbeitung.

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