Epipher

Die Epipher (von griech. epipherein =nachtragen) ist eine rhetorische Figur, im engeren Sinne eine Klangfigur.

Die Epipher ist die Umkehr der Anapher. Eine Kombination von Anapher und Epipher nennt man Symploke.

Beispiele für eine Epipher

Sturm und Meeresgefährde trifft nie
Dich den Klugen, der geschifft nie;
Wer in Furcht sogar den Wein scheut,
trinkt das eingemischte Gift nie.

(AUGUST VON PLATEN)

Er will alles, kann alles, tut alles

Doch alle Lust will Ewigkeit –, / – will tiefe, tiefe Ewigkeit!, (FRIEDRICH NIETZSCHE: Das trunkene Lied)

Ein Meister der Epipher war AUGUST GRAF VON PLATEN:

AUGUST VON PLATEN
Der sich schaffend hat erwiesen siebenmal

Der sich schaffend hat erwiesen siebenmal,
Wohnt in sieben Paradiesen siebenmal;
Adler, siebenmal umkreise du den Fels,
Krümme, Bach, dich durch die Wiesen siebenmal;
Feuer schürt am Stamm der Zeder, und sein Duft
Wind' als Rauch sich um den Riesen siebenmal;
Schenke, nimm die beiden Becher, beide nimm,
Fülle jenen mir und diesen siebenmal;
Siebenfach ist deine Locke schön geteilt,
Deine Locke sei gepriesen siebenmal!

(Gesammelte Werke des Grafen August von Platen. Stuttgart u. Tübingen: Cotta, 1839, S. 70)

AUGUST VON PLATEN
Der Strom

Der Strom, der neben mir verrauschte, wo ist er nun?
Der Vogel, dessen Lied ich lauschte, wo ist er nun?
Wo ist die Rose, die die Freundin am Herzen trug,
Und jener Kuß, der mich berauschte, wo ist er nun?
Und jener Mensch, der ich gewesen, und den ich längst
Mit einem andern Ich vertauschte, wo ist er nun?

(Platen, August von: Gedichte: Stuttgart: Reclam, 1968)

AUGUST VON PLATEN
Der Trommel folgt' ich manchen Tag

Der Trommel folgt' ich manchen Tag, und an den Höfen lebt' ich auch,
Erfahren hab ich dies und das, und das und dies erstrebt' ich auch;
Es zog der ungestillte Geist mich wandernd oft ins Land hinein,
Und wieder stille saß ich dann, und an den Büchern klebt' ich auch;
Verglommen ist die Hitze halb, die junge Seelen ganz erfüllt,
Denn oft verzehrte mich der Haß, und vor der Liebe bebt' ich auch;
Doch schien ich mir zu nichts bestimmt, als nur das Schöne weit und breit
Zu krönen durch erhabnes Lob, und solche Kronen webt' ich auch:
Was künftig mir beschieden sei, verkünde kein Orakel mir,
Denn dieser Sorg' und Bangigkeit um Künftiges entschwebt' ich auch.

(Platen, August Graf von: Werke in zwei Bänden. Band 1: Lyrik. München: Winkler, 1982, S. 230.)

AUGUST VON PLATEN
Die Sterne

Die Sterne scheinen, und alles ist gut,
Sie tadeln keinen, und alles ist gut;
Drum keck, o Schenke, kredenze mir Wein,
Purpurnen, reinen, und alles ist gut;
Die Sonnenaugen entflammen den Stern,
Und mich die deinen, und alles ist gut;
Dein Schmeicheln, Zürnen und Trotzen und Flehn,
Dein Lachen, Weinen und alles ist gut;
Die Welt im Großen, und du mir in ihr
Die Welt im Kleinen und alles ist gut;
Noch einen Kuss, ich begehre nur dies,
Versprich noch einen, und alles ist gut;
Des Hafis Lieder, ich rühme sie laut,
Du rühmst die meinen, und alles ist gut.

(Platen, August von: Gedichte: Stuttgart: Reclam, 1968)

Stand: 2010
Dieser Text befindet sich in redaktioneller Bearbeitung.

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