Johannes R. Becher

Lebensgeschichte und literarisches Schaffen

JOHANNES R(OBERT) BECHER wurde am 22. Mai 1891 als Sohn des Oberlandesgerichtspräsidenten DR. HEINRICH BECHER und dessen Frau JOHANNA, geb. BÜRK, in München geboren. Er besuchte die Volksschule und das Gymnasium in München. 1911 begann er in Berlin Medizin, Philosophie und Literatur zu studieren.
Schon in seinen frühen Gedichten protestierte BECHER gegen soziale Ungerechtigkeit. Mit seinen anarchistischen, teilweise utopischen Träumen wurde er zu einem Wortführer und einem der wichtigsten Autoren des linken Flügels des Expressionismus. Als erstes bedeutendes Werk erschien 1914 „Verfall und Triumph“. Später wurde es vom Insel-Verlag übernommen.
Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges wurde BECHER ein bewusster Kriegsgegner. Während des Krieges erschienen verschiedene Gedichtbände, die Anklagen und Aufrufe gegen den Krieg enthalten.

1917 trat BECHER der USPD, 1918 dem Spartakusbund und 1919 der KPD bei. Er suchte nach neuen gesellschaftlichen Idealen und versuchte, sich von seinem gutbürgerlichen Elternhaus zu lösen. Die Lektüre von MAXIM GORKI, WLADIMIR ILJITSCH LENIN und KARL MARX half ihm, mit seiner Vergangenheit zu brechen. In den Zwanzigerjahren intensivierte er seine politische Arbeit für die KPD, übersetzte WLADIMIR MAJAKOWSKI und schrieb revolutionär-agitierende Gedichte, so zum Beispiel „Der Leichnam auf dem Thron“ (1925) und Antikriegsprosa, wie den kurz nach seinem Erscheinen verbotenen Roman „Levisite oder Der einzig gerechte Krieg“ (1926). 1924 wurde er wegen angeblichen Hochverrats in seinen Werken „Der Leichnam auf dem Thron“ und „Levisite“ angeklagt und nur durch starke internationale Proteste, unter anderem durch MAXIM GORKI, wurde die bereits anberaumte Verhandlung vertagt. Später wurde das Verfahren durch die Hindenburg-Amnestie eingestellt.

BECHER war Mitbegründer (1928) des BPRS (Bund proletarisch-revolutionärer Schriftsteller) und dessen erster Vorsitzender. Auch gab er das sogenannte Sprachrohr des Bundes, die Zeitschrift „Linkskurve“, heraus. In Reden und programmatischen Artikeln trat er für die Leninschen Prinzipien ein und kritisierte linksbürgerliche Autoren wie THOMAS MANN scharf.

Nach dem Machtantritt HITLERs 1933 emigrierte BECHER ins Exil (Österreich, Schweiz, Frankreich, UdSSR) und kehrte 1945 in den sowjetisch besetzten Teil Deutschlands zurück. Während seines Exils war er 1935–1945 in Moskau Chefredakteur der Zeitschrift „Internationale Literatur. Deutsche Blätter“. Während seines Exils entstanden

  • die Gedichtbände „Der Glückssucher und die sieben Lasten“ (1938) und „Wiedergeburt“ (1940) und
  • der Roman Abschied. Einer deutschen Tragödie erster Teil. 1900–1914 (1940, Bild 1) – die wichtigste Prosaarbeit BECHERs, in der er den Loslösungsprozess von seinem gutbürgerlichen Elternhaus beschreibt.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges beteiligte sich BECHER an den kulturpolitischen Planungen, indem er aktiv als Mitglied des Nationalkomitees Freies Deutschland (ab 1943) und im Zentralkomitee der KPD mitarbeitete. 1945 gründete er den Aufbau-Verlag und die Zeitschrift „Aufbau“, 1949 zusammen mit P. WIEGLER die Zeitschrift „Sinn und Form“. Während der sich abzeichnenden Teilung Deutschlands engagierte sich BECHER als Politiker und Schriftsteller für den Aufbau der DDR. Zusammen mit HANNS EISLER schrieb er die Nationalhymne der DDR „Auferstanden aus Ruinen“ (1949).

Nationalhymne der DDR
Text: JOHANNES R. BECHER
Musik: HANNS EISLER

1. Auferstanden aus Ruinen
Und der Zukunft zugewandt,
Laß uns dir zum Guten dienen,
Deutschland, einig Vaterland.
Alte Not gilt es zu zwingen,
Und wir zwingen sie vereint,
Denn es muß uns doch gelingen,
Daß die Sonne schön wie nie
|: Über Deutschland scheint. :|

2. Glück und Frieden sei beschieden
Deutschland, unserm Vaterland.
Alle Welt sehnt sich nach Frieden,
Reicht den Völkern eure Hand.
Wenn wir brüderlich uns einen,
Schlagen wird des Volkes Feind!
Laßt das Licht des Friedens scheinen,
Daß nie eine Mutter mehr
|: Ihren Sohn beweint. :|

3. Laßt uns pflügen, laßt uns bauen,
Lernt und schafft wie nie zuvor,
Und der eignen Kraft vertrauend,
Steigt ein frei Geschlecht empor.
Deutsche Jugend, bestes Streben,
Unsres Volks in dir vereint,
Wirst du Deutschland neues Leben,
Und die Sonne schön wie nie
|: Über Deutschland scheint. :|

1949 wurde BECHER der Nationalpreis I. Klasse für seine erschienenen Bände seiner gesammelten Dichtungen und 1950 zusammen mit HANNS EISLER für die Schaffung der Nationalhymne der DDR verliehen, 1952 erhielt er den Lenin-Friedenspreis.
Als Minister für Kultur (1952–1956) und als Präsident der Akademie der Künste (1953–1956) bestimmte BECHER in den Anfangsjahren der DDR in starkem Maße die Kulturpolitik des Landes. Diese Arbeit wurde allerdings von anderen Autoren seiner Zeit, wie BERTOLT BRECHT und STEPHAN HERMLIN, nicht akzeptiert.
Zeit seines Lebens ein engagierter Autor für den Aufbau der DDR, starb JOHANNES R. BECHER am 11. Oktober 1958 in Ostberlin.

Werke (Auswahl)

  • Der Ringende (1911, Kleist-Hymne)
  • De Profundis Domine (1913)
  • Verfall und Triumph (1914, Gedichtband)
  • Päan gegen die Zeit (1918, Gedichtband)
  • An Alle (1919, Gedichtband)
  • Der Leichnam auf dem Thron (1925, Gedichtband)
  • Levisite oder Der einzig gerechte Krieg (1926, Roman)
  • Der große Plan (1931, Epos)
  • Tränen des Vaterlandes (1937, Gedichtband)
  • Der Glückssucher und die sieben Lasten (1938, Gedichtband)
  • Wiedergeburt (1940, Gedichtband)
  • Deutschland ruft. Gedichte (1942)
  • Abschied. Einer deutschen Tragödie erster Teil 1900–1914 (1940, autobiografischer Roman, Bild 1)
  • Dank an Stalingrad (1943, Gedichtband)
  • Winterschlacht (1945, dramatische Dichtung)
  • Heimkehr (1946, Gedichtband)
  • Auferstanden aus Ruinen (1949, Nationalhymne der DDR)
  • Sterne, unendliches Glühen (1951, Hymne)
  • Glück in der Ferne, leuchtend nah (1951, Gedichtband)
  • Auf andere Art so große Hoffnung (1951, Tagebuch 1950)
  • Der Weg nach Füssen (1953, Schauspiel)
  • Deutsche Sonette (1952)
  • Bemühungen I–IV (1952–1957, Essays)
  • Das poetische Prinzip (1957, Gedicht)
JOHANNES R. BECHER (1891–1958)

JOHANNES R. BECHER (1891–1958)

Stand: 2010
Dieser Text befindet sich in redaktioneller Bearbeitung.

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