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Henry James

* 15. April 1843 in New York
† 28. Februar 1916 in Chelsea (heute zu London)

Schon in seiner Jugend hielt sich der amerikanische Schriftsteller HENRY JAMES mehrfach in Europa auf. Als Schriftsteller ließ er sich schließlich in England nieder. Die meisten seiner als Meisterwerke des psychologischen Realismus’ geltenden Romane thematisieren die problematischen Begegnungen unbefangener Amerikaner mit der etablierten europäischen Gesellschaft. Die Protagonisten durchlaufen meist schmerzhafte Lernprozesse oder scheitern tragisch. Mit seiner Erzähltechnik, dem Leser das Geschehen aus dem Blickwinkel einer Person (point of view) zu schildern, spiegelt JAMES die Realität durch den Ausschnitt der individuellen Wahrnehmung wider.

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Biografie

HENRY JAMES entstammte einer Schriftsteller- und Gelehrtenfamilie. Er erhielt eine Privaterziehung in den USA und in Europa. Nach kurzem Jura-Studium an der Harvard University war er als Autor von Kritiken und Essays tätig. 1875/76 hielt er sich in Paris auf. Dort machte er Bekanntschaft mit den Schriftstellern GUSTAVE FLAUBERT, IWAN TURGENJEW und ÉMILE ZOLA.
Schließlich ließ sich JAMES endgültig in England nieder, wo er zunächst lange Zeit in London lebte. Er veröffentlichte seine ersten Romane (The American, 1877, Portrait of a Lady, 1881), Erzählungen und Dramen. 1898 zog er nach Lamb House, Rye (East Sussex), wo er seine späteren Werke – darunter The Ambassadors (1903) – verfasste. 1915, ein Jahr vor seinem Tod, nahm JAMES die britische Staatsbürgerschaft an.

Literarisches Schaffen

Den naturalistischen Strömungen des 19. Jahrhunderts, in denen der Mensch als determiniert durch Vererbung und Milieu aufgefasst wurde, stand HENRY JAMES skeptisch gegenüber. Seine Werke konzentrieren sich darauf, die psychischen Reaktionen der Protagonisten darzustellen, während die sparsame Handlung in den Hintergrund rückt.

Seinen thematischen Schwerpunkt findet JAMES im Aufeinandertreffen der Alten und der Neuen Welt. Er stellt das kultivierte, aber auch in Konventionen erstarrte Europa einem eher materiell orientierten Amerika mit seinen provinziell-naiven Menschen gegenüber und entwickelt aus diesem Gegensatz komplexe Beziehungen und ethische Entscheidungen, mit denen seine Romanfiguren konfrontiert sind.
Eine der charakteristischen Figuren aus JAMES' Romanen ist die wohlhabende Amerikanerin Isabel Archer in Portrait of a Lady (1881), dem Werk, das JAMES frühzeitig bekannt machte. Wie viele andere seiner Charaktere trifft Archer in Europa auf andere Wertvorstellungen, die ihre Lebensgewohnheiten erschüttern.
Der Roman wurde 1996 von JANE CAMPION mit NICOLE KIDMAN und JOHN MALCOVITCH in den Hauptrollen verfilmt.

Die Struktur von JAMES' Romanen wird von einer innovativen und einflussreichen Erzähltechnik bestimmt, die den Leser das Geschehen aus dem Blickwinkel einer Person erleben lässt. So erfasst der Leser in The Ambassadors (1903) das Geschehen allein aus der Perspektive (dem point of view) der Hauptfigur, des Amerikaners Lambert Strether. Dessen Reise nach Europa konfrontiert ihn mit anderen Wert- und Lebensvorstellung. Durch den Einsatz des inneren Monologs und des stream of consciousness (Bewusstseinsstrom) wird die Perspektive Strethers psychologisch genau durchleuchtet, sodass die Realität allein im Ausschnitt des individuell Wahrgenommenen zum Vorschein kommt.

JAMES' subtile Situationsanalysen und feine Nuancierungen psychologischer Vorgänge beeinflussten die Entwicklung des modernen psychologischen Romans. Sie prägten insbesondere den englischen Schriftsteller JOSPEH CONRAD. Einflussreich waren auch JAMES' literaturtheoretische Analysen über den Roman des 19. Jahrhunderts, die sich häufig an seinen eigenen Werken orientierten. Zudem verfasste JAMES Dramen, die allerdings weniger erfolgreich waren, und Reiseberichte.

Die Liste der Verfilmungen, die auf Romanen von HENRY JAMES beruhen, ist lang. Genannt seien hier:

  • Unter der Regie von JAMES IVORY entstand The Golden Bowl (2001). Zu den Mitwirkenden gehörten UMA THURMAN, NICK NOLTE und ANJELICA HOUSTON.
  • In dem Melodram The Wings of the Dove von 1997 sind u. a. HELENA BONHAM CARTER und CHARLOTTE RAMPLING zu sehen.
  • Die Novelle The Turn of the Screw (1898) wurde von BENJAMIN BRITTEN als Oper vertont und 1954 in Venedig uraufgeführt.

Weitere Werke (Auswahl)

Romane
Roderick Hudson (1875)
Daisy Miller (1877)
The Europeans (1878)
The Bostonians (1886)
The Princess Casamassima (1886)
What Maisie Knew (1897)
The Awkward Age (1899)
The Wings of the Dove (1902)
The Golden Bowl (1904)

Drama
Guy Domville (1895)

Erzählungen
A Passionate Pilgrim and Other Tales (1875)
The Altar of the Dead (1895)
The Beast in the Jungle (1903)
The Bench of Desolation (1910)

Reiseberichte
Portraits of Places (1883)
A Little Tour in France (1884)

Lernhelfer (Duden Learnattack GmbH): "Henry James." In: Lernhelfer (Duden Learnattack GmbH). URL: http://www.lernhelfer.de/schuelerlexikon/englisch-abitur/artikel/henry-james (Abgerufen: 30. April 2026, 13:59 UTC)

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  • Portrait of a Lady
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  • Bewusstseinsstrom
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Von der Great Depression zum New Deal

Nach dramatischen Kursstürzen kollabierte am 25. Oktober 1929, dem „Schwarzen Freitag“, der Börsenhandel an der New Yorker Wall Street. Rasch weitete sich die Finanzkrise zu einer globalen Wirtschaftskrise aus. Nicht nur in den USA trafen die verheerenden Auswirkungen der Great Depression große Teile der Bevölkerung. Zur Überwindung der Krise gab FRANKLIN D. ROOSEVELT als Präsidentschaftskandidat der Demokraten 1932 in Chicago die Parole vom “New Deal” aus. Durch zahlreiche Reformen versuchte er in der Folgezeit, die amerikanische Wirtschaft anzukurbeln und Arbeitslosigkeit und Armut zu bekämpfen.

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Realismus

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Stream of Consciousness

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American Short Story

Der Begriff “Short Story“ wurde erst ca. 60 Jahre nach den ersten veröffentlichten Kurzgeschichten geprägt. Kurzgeschichten sind ein fester Bestandteil der amerikanischen Literaturgeschichte. Die ersten amerikanischen Romane orientierten sich eng an englischen Vorbildern. Doch durch die Konkurrenz der aus England importierten Romane blieb die Nachfrage nach einheimischen Erzählungen in Buchform gering. Um ihren Lebensunterhalt bestreiten zu können, verlegten sich amerikanische Schriftsteller auf die Produktion von Geschichten (engl. tales), die in Zeitungen und Zeitschriften veröffentlicht wurden. Sie entwickelten auf diese Weise die Technik, in Kurzform darzustellen, was von europäischen Autoren detailreich und weitflächig in Romanen ausgebreitet werden konnte. So begünstigte die wirtschaftliche Notwendigkeit die Publikationsform und Herausbildung der Short Story. Noch im 20. Jahrhundert haben eine Reihe von amerikanischen Autoren ihren schriftstellerischen Durchbruch über die Veröffentlichung einer Kurzgeschichte in einem der bekannten Magazine, z. B. The New Yorker oder Cosmopolitan, erreicht. Im 20. Jahrhundert wurde die narrative Form der Short Story von britischen Autoren sowie Commonwealth Autoren übernommen. Der Überblick über die Entwicklung der amerikanischen Kurzgeschichte verfolgt die Verlagerung des thematischen und erzähltechnischen Schwerpunktes und stellt einige Autoren vor.

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