Buddhismus – Siddhartas Erleuchtung

Der Buddhismus – eine Weltreligion

Religionen können die Lebensweise und Kultur von Menschengruppen und ganzen Völkern entscheidend prägen. Ihre Glaubenssätze widerspiegeln sich häufig in der Politik, aber auch in den Rechtsauffassungen der Gesellschaft, in den Wertvorstellungen des Einzelnen und nicht zuletzt auch im tagtäglichen Leben. Sie können die wirtschaftliche Entwicklung eines Landes beeinflussen und sind manchmal auch im Siedlungsbild erkennbar.
Zu den sogenannten Weltreligionen mit großer räumlicher Verbreitung gehört neben dem Christentum, dem Judentum, dem Islam und dem Hinduismus auch der Buddhismus, zu dem sich gegenwärtig etwa 6 % der Weltbevölkerung bekennen.
Die Buddhisten, die wie die Angehörigen anderer Weltreligionen ebenfalls unterschiedlichen Strömungen des Buddhismus angehören, leben heute mehrheitlich in China und in den Staaten auf der Halbinsel Hinterindien, und der Inselwelt Südasiens.
Der Buddhismus entstand in Indien und ist wie auch die anderen Weltreligionen über 2000 Jahre alt.


Entstehung des Buddhismus
SIDDHARTA GAUTAMA: Der Buddhismus ist aus der altindischen Tradition erwachsen und entstand um 500 v. Chr. Über den Religionsstifter SIDDHARTA GAUTAMA selbst, dessen späterer Ehrenname Buddha (Sanskrit „der Erleuchtete“) war, ist nur wenig aus späteren Niederschriften bekannt:

SIDDHARTA GAUTAMA wurde 560 v. Chr. im heutigen Nepal als Sohn eines Fürsten geboren und wuchs im Norden Indiens am Fuße des Himalaja in Reichtum auf.

Im Alter von 29 Jahren geriet er im Angesicht von Alter, Krankheit und Tod in seiner Umgebung in eine tiefe moralische Krise, in der er die Sinnlosigkeit seines bisherigen Lebens erkannte. SIDDHARTA entsagte daraufhin dem Reichtum und seiner sozialen Stellung. Er verließ seine Heimat.

Um Erlösung aus seiner Lebenskrise bzw. Erleuchtung zu finden, übte er sich sieben Jahre als Schüler bei verschiedenen Meistern in Askese. In dieser Askese, einer streng enthaltsamen und entsagenden harten körperlichen Lebensweise, fand SIDDHARTA jedoch das Herbeigesehnte nicht. Die Erleuchtung seiner Lehre wurde ihm erst nach einer Phase langer Meditation, d. h. tiefer sinnender Betrachtung und Versenkung in sich selbst, zuteil. Sie erreichte ihn unter einem Feigenbaum, dem „Baum der Erkenntnis“.

Die erste Predigt seiner Lehre hielt er in Varanasi am Ganges, heute für die Buddhisten eine ihrer heiligsten Stätten. Von Varanasi aus setzte er „das Rad der Lehre“ in Gang, das er mehr als 45 Jahre in Bewegung hielt. Er versammelte eine immer größer werdende Mönchsgemeinde um sich, der er seine Lehren vermittelte und die sie weitertrug.
SIDDHARTA selbst durchzog lehrend und werbend große Teile Nordindiens. Er starb im Alter von 85 Jahren, schon damals als Buddha bekannt und verehrt, bei einer Meditation.

Buddha hat keine eigenen Schriften hinterlassen. Seine Predigten wurden von seinen Jüngern erst mündlich und seit dem 1. Jh. n. Chr. auch schriftlich in der als heilig betrachteten Sprache Pali überliefert. Welche Sätze aber wirklich auf Buddha selbst zurückgehen, ist deshalb ungewiss, zumal sich die Texte auch kaum der geschichtlichen Gestalt des Buddha zuwenden.

Der Kern der buddhistischen Lehre

Die Erleuchtung unter dem Feigenbaum hatte laut Überlieferung „vier edle Wahrheiten“ zum Inhalt:

Die erste Wahrheit besagt, dass die Existenz durchgehend von Leid geprägt ist:
„Geburt ist Leiden, Alter ist Leiden, Krankheit ist Leiden, Tod ist Leiden ... mit Unliebem vereint, von Lieben getrennt zu sein ist Leiden“.

Die zweite Wahrheit spricht darüber, dass, um dem Leid, also dem Existierenmüssen, zu entkommen, die Ursache für seine Entstehung erkannt werden muss. Als Ursache des Leides, das durch Unwissenheit, Gier, Hass und Verblendung entsteht, sieht der Buddhismus die leidenschaftlichen Begierden des Menschen nach Leben und nach Wiedergeburt.

Die dritte Wahrheit weist folgerichtig als Ziel zur Überwindung bzw. Aufhebung des Leides: „... die restlose Aufhebung, Vernichtung, Aufgabe, Verwerfung, das Freigeben und Ablegen“ des Begehrens und seiner Ursachen.

Die vierte Wahrheit beschreibt schließlich den „achtteiligen Weg“ zu diesem Ziel, der aus folgenden Elementen besteht: rechte Gesinnung und Anschauung, rechtes Reden, Tun und Leben, rechtes Streben, Überdenken und Sichversenken.

Letztendliches Ziel der buddhistischen Lehre ist die Erlösung, das Aufgehen im Nirwana, in dem jede Unterscheidung zwischen Gut und Böse, Sein und Nichtsein endet und jede Lebensillusion erlischt.

Ausbreitung des Buddhismus

Die Anhänger der Lehre Buddhas spalten sich um die Zeitenwende in zwei große Glaubensrichtungen, die heute wegen ihrer geografischen Verbreitung in Indien als nördlicher Buddhismus, Hinajana, und als südlicher Buddhismus, Mahajana, bezeichnet werden.

Die Mehrzahl der Buddhisten in Indien hingen dem Mahajana-Buddhismus an, der sich aus mehreren Gründen zur eigentlichen Weltreligion entwickelte:
Im Buddhismus gab es von Anbeginn an keinen Gott. Auch die Anerkennung der Macht von Priestern und kostbare Opfergaben hatten in ihm keinen Platz. Weil er außerdem noch allen Menschen die Erlösung versprach, kam er vor allem den religiösen Bedürfnissen des Volkes im vom Kastensystem geprägten Indien entgegen. Vor allem in den niederen Kasten fand der Buddhismus in Indien eine breite Anhängerschaft.
Im 3. Jh. v. Chr. wurde er unter König Aschoka in Indien sogar offizielle Staatsreligion.
Seither verbreitete er sich rasch auch außerhalb Indiens:

  • der Hinajana-Buddhismus in Sri Lanka, Birma, Thailand, Laos und Kambodscha,
  • der Mahajana-Buddhismus in Vietnam, China, Korea, Japan und Indonesien sowie als Sonderform des Lamaismus in Tibet, der Mongolei und einigen Gebieten Russlands und Nordostindiens.

Auf dem indischen Subkontinent wurde der Buddhismus allerdings in den letzten beiden Jahrtausenden weitestgehend vom Hinduismus verdrängt.

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