Chlodwig I.

CHLODWIG (CHLODOWECH = LUDWIG; französisch: CLOVIS, später LOVIS) gehörte dem Herrschergeschlecht der Merowinger an. Er war Sohn des fränkischen Kleinkönigs CHILDERICH von Tournai und seiner Gattin BASINA, der durch Verträge (foedera) mit der Verteidigung der Grenze des Römischen Reiches betraut war.

CHLODWIG wurde um 466 geboren und mit 22 Jahren, im Jahre 482, Nachfolger seines Vaters als Teilkönig der salischen Franken (Rheinmündung bis Ärmelkanal). Zentrum seines Herrschaftsbereichs war Tournai (Doornik im heutigen Belgien). Er erbte auch die Stellung als römischer Sprengelkommandant in der Provinz Belgica II von seinem Vater.

Gemeinsam mit dem benachbarten Frankenkönig von Camerich (Cambray), RAGNACHAR, vereinte er zunächst die Stämme der salischen Franken. Bereits 486/87 hatte er durch seinen Sieg über den letzten römischen Statthalter in Gallien, SYAGRIUS(GREGOR VON TOURS bezeichnet ihn als „rex Romanorum“=römischer König) bei Soissons den noch römischen Teil Galliens zwischen Somme und Loire, das spätere Neustrien, gewonnen. Der Chronist FREDEGAR schrieb über das Ereignis lapidar:

„Chlodwig setzte Syagrius gefangen, nahm sein Reich in Besitz und ließ ihn schließlich mit dem Schwert töten.“

Im Laufe seiner Regierung unterwarf und beseitigte CHLODWIG durch List und Gewalt alle anderen fränkischen Gaukönige (zuletzt um 510 den in Köln residierenden rheinfränkischen König) und Teilfürstentümer.
Zwischen 496 und 507 eroberte er weitere Teile Galliens, so

  • den südwestgallischen Teil des Westgotenreichs (Aquitanien) bis auf Septimanien (um Narbonne).
  • 506 besiegte er die am Oberrhein siedelnden Alemannen in der Schlacht von Zülpich (Tolbiac, südwestlich von Köln).
  • 507 besiegte er mit Hilfe des Burgunderkönigs GUNDOBAD das Tolosanische Reich der Westgoten in Vouillé (Vougle) unter ihrem König ALARICH II. CHLODWIG soll nach der Schlacht eigenhändig den Westgotenkönig getötet haben.

Ein Zeitgenosse, der Bischof ORIENTIUS VON AQUITANIEN, beobachtete voller Bangen die Eroberung Galliens. Er sah den Weltuntergang herannahen:

„Müde erwartet alles das greisenhafte Ende der Welt und schon läuft ab die Zeit der letzten Tage. Ganz Gallien raucht wie ein einziger Scheiterhaufen.“

CHLODWIGs Herrschaftsbereich umfasste nun ein Territorium vom Rhein bis zur Garonne. Nur das Eingreifen THEODERICHs DES GROSSEN hinderte ihn an noch weitergehender Expansion. Mit seiner Eroberungspolitik durchkreuzte CHLODWIG das Konzept des Ostgotenkönigs, das auf eine Verständigung der germanischen Reiche mit gemeinsamer Gegnerschaft gegen Byzanz zielte.

Der fränkisch-ostgotische Gegensatz

Dem Kaiser THEODERICH DEM GROSSEN kam der fränkisch-ostgotische Gegensatz gelegen; 508 ließ er CHLODWIG einen Königsornat überreichen und ehrte ihn mit dem Konsultitel.

Übertritt zum Christentum

CHLODWIG soll dem arianischen Glauben angehangen haben. Andere Quellen (auch GREGOR VON TOURS) sprechen von ihm als einem „Heiden“, also „Ungläubigen“. Er heiratete um 492/493 CHRODECHILDE, die Tochter CHILPERICHs, des Königs eines Teils von Burgund (Siedlungsraum im Rhône-Saône-Gebiet), und Nichte des burgundischen Ober-Königs GUNDOBAD. Die Gemahlin war aber katholische Christin und hatte wohl deshalb entscheidenden Einfluss auf CHLODWIGs Übertritt zum Christentum. Der Chronist des fränkischen Königs, GREGOR VON TOURS, berichtet, dass CHRODECHILDE

„ ...die Kirche mit Teppichen und Decken schmücken (ließ), auf daß Chlodwig, der durch die Predigt nicht bekehrt werden konnte, durch diese festliche Handlung zum Glauben erweckt werde. Ihr Sohn aber erstickte, als er eben getauft war, noch in den weißen Kleidern. Da schwoll dem König die Galle und er schalt heftig die Königin und sprach: 'Wäre der Knabe geweiht in Namen meiner Götter, gewiß lebte er noch'.“ (GREGOR VON TOURS )

Wohl am 25.12. 498 (andere Angaben sind 496/497) hatte CHLODWIG in Reims durch Bischof REMIGIUS die Taufe nach dem nicäischen Bekenntnis empfangen. GREGOR VON TOURS erinnert, der König soll beim Kampf gegen die Alemannen einer Niederlage nah gewesen sein und in seiner höchsten Not Christus angerufen haben:

„... Jesus Christ, Chrodechilde verk¨ndet, du seiest der Sohn eines lebendigen Gottes. Ich flehe dich an: gewährst du mir jetzt den Sieg ¨ber meine Feinde, so will ich an dich glauben und mich taufen lassen in deinem Namen.' Und da er solches gesprochen, wandten sich die Alemannen und fingen an zu fliehen.“ (GREGOR VON TOURS )

Dieses Ereignis ist wahrscheinlich aber nur eine Sage. Weit eher rechnete CHLODWIG nach seiner Taufe mit der Unterstützung der katholischen Bevölkerung und ihrer Bischöfe bei der Eroberung des römisch-gallischen Südens. Die Entscheidung für das katholische Christentum erwies sich jedenfalls als zukunftweisender Entschluss.

Struktur des Frankenreiches

Die Struktur des Frankenreichs wurde so entscheidend geprägt. Auswirkungen des Übertritts zum katholischen Christentum zeigten sich in:

  • Klerus,
  • Verwaltung,
  • Königsherrschaft

CHLODWIG gewann die Unterstützung der galloromanischen Geistlichkeit, vor allem der Bischöfe, bei der Konsolidierung seiner Herrschaft in den neu eroberten Gebieten. Er legte die zuk¨nftige Stellung der Kirche als Staats- beziehungsweise Reichskirche 511 in Grundz¨gen fest. Die allmählich entstehende fränkische Reichskirche wurde zu einer der wichtigsten Klammern der Reichseinheit. Der inneren Ordnung dienten auch einerseits die Übernahme des römischen Verwaltungssystems und andererseits die erste Aufzeichnung des fränkischen Volksrechts, der Lex Salica. Außenpolitisch wurde dadurch der Gegensatz zu den arianischen Germanenreichen vertieft.
Paris wurde im Jahre 508 Mittelpunkt des Fränkischen Großreiches.
511 starb CHLODWIG in seiner neuen Residenzstadt Paris. Das Reich wurde unter seine vier Söhne THEUDERICH, CHLODOMER, CHILDEBERT und CHLOTHAR aufgeteilt.

Stand: 2010
Dieser Text befindet sich in redaktioneller Bearbeitung.

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