Ludwig XVI.

LUDWIG XVI. wurde am 23.08.1754 in Versailles als dritter Sohn des Dauphins LUDWIG FERDINAND VON FRANKREICH (1729–1765) und MARIA JOSEPHA VON SACHSEN (1731–1767) geboren. Er hatte sechs Geschwister und erhielt den Titel eines Duc de Berry. Mit dem Tod seines älteren Bruders 1761 stieg LUDWIG XVI. in der Thronfolge und war nach seinem Vater der nächste Anwärter auf die Krone.

Der Graf von LA VAUGUYON übernahm die Erziehung des kränklichen und etwas unansehnlichen Prinzen. Täglich musste LUDWIG XVI. sieben Stunden Latein, Geschichte, Mathematik und lebende Sprachen lernen.
FÉNELONS Schrift „Télémaque“ stellte den Ausgangspunkt seiner Erziehung dar. Dieses Werk forderte von einem Monarchen Tugend und Verantwortungsbewusstsein gegenüber Gott sowie Liebe zu den Untertanen und Bemühen für deren Glück.
Nach dem Tod seines Vaters 1765 wurde LUDWIG als Dauphin zweiter Mann des Königreiches.
Im Jahr 1770 war die Erziehung des Prinzen im Wesentlichen abgeschlossen, und LUDWIG XVI. war zu einem aufrichtigen Menschen voll guten Willens und mit vorteilhaften Charaktereigenschaften herangewachsen. Ihm fehlten jedoch entscheidende staatsmännische Eigenschaften, wie Härte, Kampfbereitschaft und überlegene Intelligenz.

LUDWIG XVI. (1754–1793)

Heirat mit MARIE ANTOINETTE

Um das österreichisch-französische Bündnis zu festigen, verheiratete man LUDWIG XVI. am 19.04.1770 mit der habsburgischen Kaisertochter MARIE ANTOINETTE (1755–1793). Der kurze Tagebucheintrag LUDWIGS zur Hochzeitsnacht lautete: „Nichts“. Bis das junge Paar die Ehe tatsächlich vollzog und MARIE ANTOINETTE schwanger wurde, vergingen sieben Jahre. Sie hatten zwei Söhne und zwei Töchter.
Die gegensätzlichen Charaktere der Ehepartner hatten wesentlichen Einfluss auf ihre Ehe. Selbst von untadelhaftem Lebenswandel und bürgerlicher Natur, musste der dickliche, stets unbeholfene LUDWIG XVI. mit ansehen, wie seine unreife Frau mit ihren Allüren und Extravaganzen dem Ansehen des Königshauses schadete.

Regierungsantritt

Am 10.05.1774 starb LUDWIG XV. und LUDWIG XVI. wurde König von Frankreich. Er erhielt von seinem Großvater ein schwieriges Erbe, denn Frankreich stand kurz vor dem finanziellen Ruin, und der neue König war nicht fähig die Krise im Rahmen der absolutistischen Monarchie zu bewältigen.

Außenpolitik von LUDWIG XVI.

Außenpolitisch verfolgte LUDWIG XVI. eine an Ausgleich und Frieden orientierte Linie. Um die Position Frankreichs gegenüber England zu sichern, strebte der König die Festigung der militärischen Stärke und maritimen Präsenz Frankreichs an. Im Sinne des Gleichgewichts der europäischen Großmächte hielt Frankreich an den Bündnissen mit Österreich und Spanien fest.
Gleichzeitig war LUDWIG sehr an einem guten Verhältnis zu Preußen interessiert, was sich insbesondere im Bayerischen Erbfolgekrieg zeigte.
Frankreich übte in diesem Zusammenhang öffentliche Kritik an dem österreichischen Expansionskurs und vermittelte den am 13.08.1779 geschlossenen Frieden von Teschen, der das Bestehen Bayerns sicherte.
MARIE ANTOINETTE scheiterte bei ihren Versuchen, LUDWIG im österreichischen Sinne zu beeinflussen.
Die europäische Friedenspolitik gestattete Frankreich die Beteiligung im Nordamerikanischen Bürgerkrieg (1775–1783) als Verbündeter der englischen Kolonien. Frankreich zielte auf eine Schwächung des maritimen Konkurrenten England hin und schickte insgesamt 11 000 Soldaten nach Nordamerika. Die militärische Unterstützung durch Frankreich trug wesentlichen Anteil an der britischen Niederlage in der entscheidenden Schlacht bei Yorktown im Jahr 1781.

Finanzkrise

LUDWIGS XVI. vergebliche Bemühungen, die erheblich angewachsene Schuldenlast abzutragen, die in zunehmendem Maße den Staatshaushalt Frankreichs belastete, kennzeichneten die Innenpolitik des Königs.
Mit der Absicht auf die öffentliche Meinung in seinem Sinne einzuwirken, machte LUDWIG XVI. schon zu Beginn seiner Regierungszeit einen schwerwiegenden Fehler. Er setzte die bereits zum größten Teil entmachteten Parlamente wieder ein und stärkte auf diese Weise die reformfeindlichen Kräfte. Angestrebte Reformversuche scheiterten.
Die Mühen des Generalkontrolleurs ANNE ROBERT JAQUES TURGOT, die Staatsausgaben deutlich zu reduzieren, blieben ebenfalls ohne tief greifende Veränderungen. Im entscheidenden Moment versagte LUDWIG ihm die Unterstützung, als TURGOT im Frühjahr 1776 in heftige Kämpfe mit den Privilegierten verwickelt war. Diese bestanden vehement auf ihren Vorrechten und brachten LUDWIG XVI. dazu, seinen fähigen Wirtschaftsberater 1776 zu entlassen.
Auch TURGOTS Nachfolger fanden keinen Ausweg aus der Finanzkrise. Angesichts dieser aussichtslosen Lage beriefen König und Regierung die Generalstände wieder ein, eine Versammlung von Adel, Klerus und Bürgertum. Seit 1614 hatte die Krone die Einberufung der „États généraux“ vermieden.
Infolge des Handelsvertrages zwischen England und Frankreich war die französische Textilindustrie in eine Krise geraten. Zudem hatte die Missernte von 1788 zu einer großen Hungersnot in der Bevölkerung geführt. Die innenpolitische Situation blieb also höchst angespannt, und vorrevolutionäre Unruhen begleiteten die Wahlen zu den Generalständen.

MARIE ANTOINETTE (1755–1793)

Einberufung der Generalstände

Bei der Eröffnung der Generalstände am 5.05.1789 versprach König LUDWIG XVI. in seiner Ansprache, alle Meinungen zu berücksichtigen. Der dritte Stand, der in dieser Versammlung lediglich ein Drittel der Abgeordneten stellte, beanspruchte, gemäß seines wahren Bevölkerungsanteils vertreten zu sein, und erklärte sich am 17.06.1789 zur Nationalversammlung. Als Konsequenz ließ der König den Sitzungssaal verriegeln, um weitere Versammlungen zu unterbinden. Die Bürgervertreter versammelten sich daraufhin im Ballhaus und leisteten am 20. Juni den Ballhausschwur.
LUDWIG XVI. reagierte und bewilligte am 23.06.1789 als Kompromiss die Regelmäßigkeit der Steuerbewilligungen und die Budgetkontrolle sowie die individuelle Freiheit und Pressefreiheit. Zunächst lehnte er die Souveränität des dritten Standes ab, doch einige Tage später stimmte er dessen Konstituierung zur Nationalversammlung zu. Mit dem Sturm auf die Bastille am 14.07.1789 eskalierte die angespannte Situation in der Hauptstadt. Der König fuhr nach Paris und beruhigte das aufgebrachte Volk mit seiner Rede vor dem Rathaus, indem er hervorhob, niemals französisches Blut vergießen zu wollen.
Am 26.08.1789 proklamierte die Nationalversammlung die Menschen- und Bürgerrechte, nachdem sie zuvor die Abschaffung der Feudalität und der Adelsprivilegien durchgesetzt hatte.
Zu diesem Zeitpunkt konnte von König LUDWIG XVI. als absolutem Herrscher keine Rede mehr sein. Er reagierte lediglich, während die gesetzgebende Macht bei der Nationalversammlung lag.
Am 5. Oktober marschierten 10 000 Pariserinnen nach Versailles und forderten Brot, die Entlassung der Truppen sowie die Rückkehr des Königs nach Paris. Nur mit Mühe gelang es der Nationalgarde, die Situation unter Kontrolle zu bringen. Persönlich in Gefahr geraten, siedelte LUDWIG XVI. noch am gleichen Tag mit seiner Familie in die Tuilerien um.

Fluchtversuch der königlichen Familie

In der Nacht zum 21.06.1791 scheiterte der Fluchtversuch der königlichen Familie aus dem revolutionären Frankreich in Varennes. Bewacht von der Nationalgarde brachte man die königliche Familie am 25.06.1791 zurück nach Paris und stellte sie in den Tuilerien unter Arrest.
Während die gemäßigte Fraktion der Nationalversammlung weiterhin eine konstitutionelle Monarchie mit LUDWIG XVI. befürwortete, forderte die radikalere Seite wie auch die Mehrheit der Pariser Bevölkerung die Verurteilung und Bestrafung des Königs.

Sturm auf die Tuilerien und Ausrufung der Republik

Die Mehrheit der Nationalversammlung entschloss sich schließlich für eine konstitutionelle Monarchie, in der LUDWIG XVI. die Exekutive ausüben sollte und ein Vetorecht besaß. Am 13.09.1791 nahm LUDWIG XVI. die neue Verfassung an, konnte sich mit der Rolle eines konstitutionellen Monarchen jedoch nicht abfinden.
Als der König gegen ein Gesetz sein Vetorecht einlegte und der Ausbruch des Krieges zwischen dem revolutionären Frankreich und den europäischen Mächten im April 1792 die Gefahr der bewaffneten Gegenrevolution herausbeschwor, wurde die Position des Königs unhaltbar. Am 10.08.1792 stürmten mehrere Tausend Sansculotten nach einem Feuergefecht mit der königlichen Schweizergarde die Tuilerien, nahmen die königliche Familie gefangen und stellten sie im Temple unter Arrest.
Der neu gewählte Nationalkonvent beschloss am 21.09.1792 die Absetzung von LUDWIG XVI. und gab die Errichtung der Republik bekannt.

Hochverratsprozess gegen LUDWIG XVI.

Ab Dezember 1792 führte der Nationalkonvent ein Hochverratsverfahren gegen LUDWIG XVI. aufgrund von dessen geheimem Briefwechsel mit dem feindlichen Ausland. Mit knapper Mehrheit wurde er am 17.01.1793 zum Tode verurteilt. Bei der Verkündung des Urteils reagierte der König jedoch gelassen und sprach seiner Familie Trost zu. Ebenso souverän erwies sich LUDWIG XVI. bei seiner Hinrichtung durch die Guillotine am 21.01.1793 auf dem Place de la Révolution (heute Place de la Concorde). In einer letzten kurzen Rede betonte er wiederholt seine Unschuld. Er wurde in Saint-Denis begraben.
Am 16.10.1793 ereilte MARIE ANTOINETTE das gleiche Schicksal wie ihr Mann.

Hinrichtung LUDWIGS XVI.
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