Nationalkonvent

Vorgeschichte

Seit dem 20. April 1792 waren die Revolutionstruppen militärisch erfolglos geblieben. Die Parteien der Revolutionskräfte zerstritten sich immer mehr. So kam es in Frankreich zu Unruhen, die im Sturm auf die Tuilerien (königliches Stadtschloss) am 10. August gipfelten.
Der Advokat GEORGE-JAQUES DANTON (1759–1794) hatte als Mitglied der Pariser Stadtverwaltung entscheidenden Antreil an dieser Radikalisierung der Revolution: Am 12. August wurde er Justizminister der neuen Regierung. Man verhaftete die königliche Familie und viele Monarchisten und Revolutionsgegner, von denen rund 1600 in den darauffolgenden Tagen und Wochen den Tod fanden.
Am 11. Dezember 1792 begann der Prozess gegen den König LUDWIG XVI. vor dem Nationalkonvent.
Bis zum Zeitpunkt der Wahlen zum Nationalkonvent war das Zensuswahlrecht von 1791 üblich.
Mit den Neuwahlen 1792 wurde ein entscheidender Schritt zur Demokratisierung der Gesellschaft getan: Es durften alle Männer über 21 Jahren wählen. Der Konvent trat am 21. September 1792, nach der Kanonade von Valmy, erstmals zusammen und rief die Republik aus. Die Exekutivgewalt (ausführende Gewalt) hatten die Ausschüsse inne zuständig. In der Anfangszeit bestand der Konvent vor allem aus den sogenannten Girondisten und der Bergpartei.

Girondisten

Als Girondisten bezeichnet man die gemäßigten Republikaner der Französischen Revolution, benannt nach den Abgeordneten aus dem Département Gironde; zu ihren Führern gehörten J.-M. ROLAND und A.CONDORCET; sie vertraten das wohlhabende, nationalistische Bürgertum der Provinz. Die Girondisten setzten 1792 die Kriegserklärung an Österreich und zusammen mit den Jakobinern den Sturz der Monarchie durch. Im Nationalkonvent verloren sie die Macht an die jakobinische Bergpartei. Am 2.6. 1793 wurde im Konvent die Ächtung der Girondisten durchgesetzt, die meisten ihrer Abgeordneten wurden hingerichtet.

Bergpartei

Die Bergpartei (französisch Montagne) bezeichnete in der Französischen Revolution im Gegensatz zu den Girondisten die radikalste Gruppe des Konvents (1792–95), sie wurde benannt nach ihren Sitzen auf den höher gelegenen Bänken. Führende Mitglieder (Montagnards) waren GEORGE-JAQUES DANTON (Bild 1), MARAT und ROBESPIERRE.
Der Nationalkonvent verurteilte im Januar 1793 mit 361 zu 360 Stimmen König LUDWIG XVI. zum Tode. Am 21. Januar 1793 wurde der König hingerichtet.

GEORGE-JAQUES DANTON (1759–1794)
Material zum Thema

Jakobinerherrschaft

Im März 1793 drängte MAXIMILIEN ROBESPIERRE (1758–1794) auf Einrichtung eines Revolutionstribunals, bei welchem es keine Berufung nach dem Urteil gab. Ab 6. April 1793 setzte der Nationalkonvent zwei Ausschüsse ein:

  • der Sicherheitsausschuss (franz.: Comité de sûreté générale) war für
    • Justiz
  • der Wohlfahrtsausschuss (franz.: Comité du salut public) war für
    • Wirtschaft,
    • Verwaltung und
    • Kriegsführung

zuständig.
Zwischen dem April 1793 und Juli 1794 hatten die Jakobiner die Macht im Wohlfahrtsausschuss. Die Leitung unterstand zuerst GEORGE-JAQUES DANTON, vier Monate später MAXIMILIEN ROBESPIERRE. Sie reagierten mit „revolutionärem Terror“ („der Große Terror“) auf die gesellschaftlichen Zustände in Paris. Man nennt diesen Zeitraum der Revolution deshalb auch die Zeit der Schreckensherrschaft.
ROBESPIERRE:

„Wenn im Frieden die Tugend die treibende Kraft der Volksregierung ist, so sind es in der Revolution zugleich die Tugend und der Terror; die Tugend, ohne die der Terror unheilvoll, der Terror, ohne den die Tugend ohnmächtig ist“

Bald richtete sich der revolutioonäre Terror gegen die Revolutionäre selbst. Am 31. März 1794 (11. Germinal) wurde DANTON verurteilt und am 5.März auf der Guillotine enthauptet. (GEORG BÜCHNER schrieb 1835 „Dantons Tod“).
Die Guillotine, die „Sense der Gleichheit“, wurde zum Inbegriff der Schreckensherrschaft. Schätzungsweise 30000–40000 Menschen wurden auf der „Place de la revolution“ guillotiniert.

Déchristianisation

Die Herrschaft nahm immer groteskere Formen ein. So wurden die Kirchen geschlossen (Es begann ein Prozess der Déchristianisation). Man holte die Glocken von den Kirchtürmen herab. Das führte allerdings zu Tumulten vor allem in der Landbevölkerung. Stattdessen führte man Revolutionsfeste ein. Am 10. November 1793 (am 20. Brumaire) feierte man mit großem Pomp zum erstenmal den „Kult der Vernunft“ in Notre-Dame de Paris. Die Kirche wurde der Vernunft geweiht. Diesem Beispiel folgte man bis zum 25. November 1793 (5. Frimaire). bis zu jenem Zeitpunkt weihte man alle Kirchen von Paris der Vernunft. Kirchen wurden so zu „Tempeln der Wahrheit“. Der Festtag der Vernunft sollte an jedem décadi (d.i. der Feiertag einer jeden Dekade, s.u.) gefeiert werden. ROBESPIERRE führte am 10.Juni 1794 als höchsten Feiertag den „Kult des Höchsten Wesens“ als Ersatzreligion ein.

„Das französische Volk erkennt die Existenz eines Höchsten Wesens und die Unsterblichkeit der Seele an.“

hieß es im Artikel 1 des entsprechenden Gesetzes des Wohlfahrtsausschusses.

MAXIMILIEN ROBESPIERRE (1758–1794)
Material zum Thema

Sturz ROBESPIERRES

Es regte sich Widerstand gegen ROBESPIERRE und die radikalen Jakobiner. ROBESPIERRE weigerte sioch, den revolutionären Terror (terreur) zu beenden. Als am 10. Juni 1794 die Immunität der Abgeordneten in Frage gestellt wurde, spitzte sich die Situation zu. Man sah nun den Terror immer mehr auch als Gefahr für das eigene Leben an.
So verbündeten sich Jakobiner am 27.7.1794 und verweigerten dem „Diktator“das Rederecht. Die Tumulte übertönten die Stimme ROBESPIERREs. Er wurde verhaftet und am 28.7.1794 (am 9.Termidor des neuen Kalenders) ohne Gerichtsverhandlung und ohne Urteil enthauptet.
Der Nationalkonvent wurde am 26. Oktober 1795, nach der Einführung des Direktoriums, aufgelöst.

MAXIMILIEN ROBESPIERRE (1758–1794)
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