Direkt zum Inhalt

Pfadnavigation

  1. Startseite
  2. Geschichte
  3. 8 Das Zeitalter bürgerlicher Revolutionen
  4. 8.3 Gesellschaftliche und politische Veränderungen in Europa
  5. 8.3.1 Napoleon verändert die Landkarte Mitteleuropas
  6. Reichsdeputationshauptschluss

Reichsdeputationshauptschluss

Der Frieden von Lunéville 1801 beendete den 2. Koalitionskrieg gegen Frankreich. In seiner Folge fasste auf Initiative Frankreichs ein Ausschuss des deutschen Reichstag 1803 den sogenannten Reichsdeputationshauptschluss: Zur Entschädigung der von der Abtretung des linken Rheinufers an Frankreich betroffenen deutschen Staaten wurde das Reich durch territoriale, staats- und kirchenrechtliche Veränderungen neu geordnet. Fast alle geistlichen Fürstentümer wurden aufgehoben und die Säkularisation des Kirchengutes gestattet. Die Reichsstädte wurden den neu gebildeten Ländern eingegliedert.
Die Folge war eine Reduzierung der Zahl der deutschen Kleinstaaten und eine starke Gebietsvergrößerung einiger Staaten, u. a. Preußens. Das erleichterte später die deutsche Einigung.

Thema nicht verstanden?

  • KI-Tutor Kim erklärt dir den Stoff sofort nochmal einfach und verständlich

  • Kim hilft dir bei all deinen Fragen und Aufgaben weiter

Jetzt kostenlos mit Kim üben

Der zweite Koalitionskrieg und seine Folgen

Im Jahr 1798 gelang es dem englischen Premier WILLIAM PITT, mit Österreich, Portugal und Russland eine zweite Koalition gegen das revolutionäre Frankreich zu schmieden.
Der als zweiter Koalitionskrieg bezeichnete Waffengang von 1799–1802 bescherte dem Bündnis auch zunächst ansehnliche Erfolge.
Nach dem Sieg des englischen Admirals NELSONs (Bild 1) über die französische Flotte bei Abukir an der Mittelmeerküste Ägyptens beherrschte die englische Flotte wieder das Mittelmeer. Sie blockierte außerdem erneut die französischen Häfen und die Atlantikküste.
Schließlich waren Norditalien und Süddeutschland wieder von Frankreich zurückgewonnen worden.
Mit der Rückkehr NAPOLEON S aus Ägypten 1799 und seinem Staatsstreich, durch den er sich zum Ersten Konsul der Republik erhob, änderten sich die Voraussetzungen zugunsten Frankreichs grundlegend. Das Jahr 1800 brachte der Koalition nun nur noch Rückschläge. So wurde Österreich in zwei Schlachten militärisch besiegt. Hinzu kamen bündnisinterne Zerwürfnisse, vor allem zwischen England und Russland. Der russische Zar zog sich daraufhin aus der Koalition zurück.
Österreich und dem Deutschen Reich wurde von NAPOLEON schließlich 1801 der Frieden von Lunéville aufgezwungen. Er bedeutete für Österreich u. a. den endgültigen Verlust der Niederlande und von Teilen Norditaliens. Für das Deutsche Reich brachte er den massivsten Umbruch seit dem Dreißigjährigen Krieg: Der Rhein wurde nun endgültig zur durchgehenden Grenze zwischen Deutschland und Frankreich. Dadurch verloren eine ganze Reihe der deutschen Kleinstaaten ihre linksrheinischen Territorien und forderten deshalb Entschädigung auf dem rechten Rheinufer.

Der Reichsdeputationshauptschluss von 1803

Aus den Entschädigungsansprüchen resultierten folgende Fragen: Wie sollte entschädigt werden, und wer sollte das Konzept hierfür entwerfen? Von den Großmächten Europas kamen Österreich und Preußen dafür nicht in Frage, da ihr gegenseitiges Verhältnis zu dieser Zeit einfach zu angespannt war. Folglich blieben nur Frankreich und Russland: Frankreich besaß als der Sieger mit den gewonnenen rechtsrheinischen Gebieten die nötigen Faustpfänder für Entscheidungen. Russland dagegen übernahm nur zu gern eine gewisse „Beschützerhaltung“ gegenüber unterlegenen Staaten.
Frankreich bzw. die französische Diplomatie unter dem talentierten Außenminister TALLEYRAND ging nach einem klar definierten Plan vor: Ziel des französischen Plans war, zu verhindern, dass das Deutsche Reich je wieder zu einer Gefahr für Frankreich werden konnte. Dafür sollte den beiden deutschen Großmächten Preußen und Österreich eine dritte Staatengruppe innerhalb des Reiches als Kraft des Ausgleichs hinzugefügt werden. Allerdings sollte diese, weil allein zu schwach, Frankreich verpflichtet und auf dessen Schutz angewiesen sein.
Diese dritte Kraft sollten deutsche Länder sein, die allerdings neu gebildet werden mussten. Nach dem russisch-französischen Entwurf waren das die Länder Baden, Bayern, Württemberg, Hessen-Darmstadt, Hessen-Kassel, Mainz, Nassau, Hannover und Oldenburg. Als Entschädigung für die verlorenen linksrheinischen Gebiete sollten diesen Ländern die Territorien aller geistlichen Fürstentümer und vieler kleiner Graf- und Herrschaften sowie die meisten Reichsstädte eingegliedert werden.
Über diesen Vorschlag beriet in Regensburg ein Ausschuss, dem Vertreter der wichtigsten und mächtigsten Reichsstände (selbstständige Länder und Territorien innerhalb des Deutschen Reiches) angehörten. Entscheidendes konnte dieser Ausschuss am russisch-französischen Plan allerdings nicht mehr verändern. Wahrscheinlich wollte er es auch gar nicht, da den meisten der in Regensburg tagenden Reichsstände die Aussicht auf Neuerwerbungen nur allzu verlockend erschien.

So nahm der Reichstagsausschuss im November 1802 das vorgelegte Konzept an. Im Frühjahr 1803 akzeptierten auch der Reichstag und der deutsche Kaiser die Entscheidung des Ausschusses. Sie ging als Reichsdeputationshauptschluss in die Geschichte ein. Aus ihm resultierte eine Reihe entscheidender Veränderungen im Deutschen Reich:

Die deutsche Staatenwelt schrumpfte um 112 auf weniger als 50 Staaten zusammen. Es entstand folglich ein sinnvoller gestaltetes Deutschland mit weniger Kleinstaaten. Die verbliebenen Staaten waren nun größer und damit auch ökonomisch leistungs- und lebensfähiger. Das war ein nicht unbedeutender Aspekt an der Schwelle des Industriezeitalters und eine nicht unwichtige Voraussetzung für die spätere deutsche Einigung.

Vom Beschluss profitierten mit einer starken Gebietsvergrößerung am meisten die süddeutschen und die westdeutschen Mittelstaaten sowie Preußen.

Die riesigen Besitztümer, vor allem der katholischen Kirche, wurden weltlichen Fürstentümern und Städten übereignet. Diese Säkularisation u. a. der Kirchenländereien und Klöster führte zur Schwächung der Positionen der Kirche in Deutschland.

Durch ihre Eingliederung in die angrenzenden Staaten verlor die reichsunmittelbare Reichsritterschaft einen Teil ihrer Selbstständigkeit.

Schließlich verlor die bisherige Reichsverfassung ihre Gültigkeit. Im Kurkollegium (aller zur Königswahl berechtigten Fürsten) gab es nun außerdem eine protestantische Mehrheit, da für die aufgelösten geistlichen Fürstentümer Trier und Köln protestantische Staaten wie Baden oder Württemberg nachrückten.

Lernhelfer (Duden Learnattack GmbH): "Reichsdeputationshauptschluss." In: Lernhelfer (Duden Learnattack GmbH). URL: http://www.lernhelfer.de/schuelerlexikon/geschichte/artikel/reichsdeputationshauptschluss (Abgerufen: 07. May 2026, 10:54 UTC)

Suche nach passenden Schlagwörtern

  • Admiral Nelson
  • Frieden von Lunéville
  • protestantische Mehrheit
  • deutsche Einigung
  • Zweiter Koalitionskrieg
  • Dokument
  • Reichsdeputationshauptschluss
  • Säkularisation
  • Reichsstände
  • Urkunde
  • Quelle
  • NAPOLEON
Jetzt mit Kim üben

Reichsdeputationshauptschluss nicht verstanden?

  • KI-Tutor Kim erklärt dir den Stoff sofort nochmal einfach und verständlich
  • Kim hilft dir bei all deinen Fragen und Aufgaben weiter

Verwandte Artikel

Der neue innenpolitische Kurs

Nach der Entlassung BISMARCKS 1890 nahm Kaiser WILHELM II. in der Innen- und Außenpolitik einen Kurswechsel vor. Der Monarch wollte selbstständig Politik machen, die Handlungsfreiheit des Reichskanzlers sollte eingeschränkt werden. Das „persönliche Regiment“ WILHELMS bedeutete jedoch aufgrund seines unsteten Charakters und seiner Sprunghaftigkeit, dass vor allem Interessengruppen und einzelne Persönlichkeiten wachsenden Einfluss auf den Kaiser gewannen.
Besonders an der sozialen Frage zeigte sich Wilhelm II. zunächst stark interessiert. Er reichte Gesetzesvorlagen zur Verbesserung des Arbeiterschutzes ein, die im Ergebnis aber weit hinter den bombastischen Ankündigungen zurückblieben. Als das Ziel dieser Gesetze, die Entfremdung zwischen Arbeiterschaft und Sozialdemokratie und die Schwächung der SPD, nicht erreicht wurde, verlor der Kaiser sehr schnell jegliches Interesse an der sozialen Frage. Die Reichsregierung wollte nun die alten antisozialistischen Unterdrückungsmaßnahmen in noch extremerer Form wiederaufleben lassen. Dies führte zu einer weiteren Entfremdung zwischen Arbeiterschaft und dem Rest der deutschen Gesellschaft.

Von der Völkerschlacht bei Leipzig bis Waterloo

Die vernichtende Niederlage NAPOLEONs im Russlandfeldzug von 1812 verlieh den Befreiungskriegen gegen die napoleonische Fremdherrschaft in Europa neue Impulse.
Deutschland brachte die Völkerschlacht bei Leipzig die Befreiung. In dieser Schlacht besiegten die verbündeten Truppen Österreichs, Preußens und Russlands die französische Armee und zwangen sie zum Rückzug nach Frankreich. Nach der Besetzung von Paris durch die Alliierten dankte NAPOLEON I. ab und wurde nach Elba verbannt.
Seine Flucht aus der Verbannung und seine darauffolgende Herrschaft der 100 Tage endete 1815 mit der Schlacht von Waterloo, in der die alliierten Armeen unter WELLINGTON und BLÜCHER NAPOLEON endgültig besiegten. Damit war Europa befreit.

Code civil – Basis für ein bürgerliches Gesetzbuch

In den sogenannten organischen Gesetzen von 1800 bis 1804 organisierte NAPOLEON die Verwaltungsorganisation Frankreichs neu. Wichtigstes Organ war der Staatsrat. Er sollte die Gesetze vorbereiten und auch als Verwaltungsgerichtshof dienen. Er hatte entscheidenden Einfluss auf die Ausbildung des Verwaltungsrechts, nicht nur in Frankreich, sondern aufgrund der Vorbildfunktion der französischen Verwaltung auch in vielen anderen Ländern Europas. Das wichtigste Werk des Staatsrates war das Zivilgesetzbuch Code civil.
Der Staatsrat setzte sich aus zumeist fünfzig von NAPOLEON ausgesuchten Personen zusammen. Bei deren Auswahl aus der geistigen und vor allem juristischen Elite des Landes nahm NAPOLEON keinerlei Rücksicht auf deren Vergangenheit. So saßen in dem Gremium Männer nebeneinander, die sich zuvor oftmals jahrelang von Hass erfüllt bekriegt hatten. Dies war bezeichnend für das Bestreben NAPOLEONS, das Land wieder zu einigen. Der Code civil, das administrative Aufbauwerk und die gelungene innere Aussöhnung Frankreichs zeigen, dass NAPOLEON auch ein Staatsmann gewesen ist, der Bleibendes geschaffen hat.

Friede von Pressburg

Der dritte Koalitionskrieg zwischen dem napoleonischen Frankreich und einer Koalition europäischer Großmächte endete für Österreich nach der Dreikaiserschlacht von Austerlitz mit dem demütigendem Frieden von Pressburg. Eine unmittelbare Folge dieses Friedensdiktats war, dass 16 napoleontreue süd- und westdeutsche Reichsfürsten, deren Fürstentümer etwa ein Drittel des Reichsgebietes umfassten, aus dem Verband des Deutschen Reiches austraten. Sie schlossen sich am 12. Juli 1806 mit weiteren 20 Fürstentümern zum Rheinbund zusammen, der unter französischem Protektorat (Schutzherrschaft) stand. Für NAPOLEON war der Rheinbund die Sicherheitszone Frankreichs nach Osten. Die Rheinbundstaaten erklärten am 1. August 1806 ihren Austritt aus dem Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation, dessen wechselvolle Geschichte damit nach über 900 Jahren endete.

Die Doppelschlacht bei Jena und Auerstedt

Durch die verheerende Niederlage in der Doppelschlacht bei Jena und Auerstedt geriet Preußen unter französische Besatzung. Preußen hatte es versäumt, während seiner Neutralitätspolitik dringend gebotenen Reformen in Militär und Verwaltung durchzuführen. So erwiesen sich die preußischen Truppen in der Doppelschlacht taktisch und logistisch den französischen Einheiten nicht gewachsen und wurden innerhalb weniger Stunden in die Flucht geschlagen. Bald darauf konnte NAPOLÉON in Berlin einziehen.

Ein Angebot von

Footer

  • Impressum
  • Sicherheit & Datenschutz
  • AGB
© Duden Learnattack GmbH, 2026