Grundlagen des Barock

Verbreitung des Barock

Zeitliche Einordnung und Begriff

Sehr grob und ungeachtet regionaler Besonderheiten lässt sich diese Kulturepoche zeitlich gliedern:

FrühbarockHochbarockSpätbarock (Rokoko)
1600–16301630–16801680–(1735)1770

In Mitteleuropa markiert historisch ein Krieg, der Dreißigjährige Krieg (1618–1648), den Beginn des Barocks. Durch den Ausbruch der Französischen Revolution (1789) wird sein Ende gekennzeichnet.

Neben dem Barock entstand zweimal (im 17. und 18. Jh. – vor allem in Frankreich, später auch in Preußen) eine klassisch orientierte Strömung, die nachdem Barock und Rokoko verfielen, als Klassizismus mit den barocken Traditionen brach. Im Rückgriff auf antik-renaissancehafte Ideale stellte der Klassizismus einen Neubeginn, eine Art Überleitung zu neuen Vorstellungen von der Kunst dar.

Der Realismus, dem Künstler wie MICHELANGELO CARAVAGGIO (1571–1610) und viele holländische Maler zuzurechnen sind, war eine weitere abweichende Kunstrichtung jener Zeit.

Diese drei Kunstauffassungen blieben mit Abwandlungen bis ins 18. Jh. wirksam, die beiden Letztgenannten noch weit in das 19. Jh. Noch im 18. Jh. entstand als neuer Stil das Rokoko, das zum Barock in einem ähnlichen Verhältnis steht wie der Manierismus zur Renaissance.

Herkunft des Barock-Begriffes

Die Begriffe Barock und Rokoko entstanden wie die meisten kunsthistorischen Begriffe aus der Zeit vor dem 19. Jahrhundert aus kritischer Betrachtung in späterer Zeit.
Der Barock-Begriff wurde wohl erstmals 1563 (GARCIA DA ORTA) gebraucht und ist wahrscheinlich aus der portugiesischen Juwelierbezeichnung für eine schiefe, unregelmäßig gewachsene Perle (barucca/barroco) abgeleitet. Der italienische Begriff „barocco“ kennzeichnete in der scholastischen Logik des Mittelalters den „Stein des Anstoßes“. Im 16. Jahrhundert benutzte man dieses Wort in Italien und auch Frankreich für eine allzu hochgesteigerte Vorstellung oder einen unnatürlich komplizierten Gedankengang.

In der französischen klassizistischen Theorie seit SALOMON DE BROSSE (1571–1626) bezeichnet der Barock-Begriff zunächst für die Architektur, dann allgemein, das „Regelwidrige", „Sonderbare", „Exzentrisches" oder „Bizarres" (seltsam Geformtes).

Der Palais du Luxemburg in Paris wurde 1615–1620 von SALOMON DE BROSSE als Palast für MARIA VON MEDICI errichtet. Der Bau war der letzte Höhepunkt der Renaissancearchitektur der Stadt und geht dem barocken („Classicisme“) voraus.

Seit Mitte des 18. Jahrhunderts wurde der Begriff Barock auch in Deutschland in abwertendem Sinne verwendet. So disqualifizierte JOHANN JOACHIM WINCKELMANN (1717–1768) den Barock als schwülstig und überladen. JACOB BURCKHARDT (1818–1897) verurteilte 1855 im „Cicerone“ den Barock als „verwilderter Dialekt“ der Renaissance.

JACOB BURCKHARDT (1818–1897),schweizerischer Kultur- und Kunsthistoriker,verurteilte in seiner Schrift „Cicerone“ den Barockstil als „verwilderten Dialekt“ (1855).

Im 19. Jahrhundert geißelte man mit dem Spottwort „barock“ vor allem bestimmte Formen der italienischen Baukunst des 17. Jahrhunderts. Die Feindseligkeit gegenüber dem Stil erstreckte sich bald auch auf die anderen Künste und die Kunst außerhalb Italiens.

Erst in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts, als im Zuge des Historismus Künstler auch Formen des Barock nutzten, fand in der Kunsttheorie eine Aufwertung statt. Seit HEINRICH WÖLFFLINs (1864–1945) Buch „Renaissance und Barock“ (1888) galt „barock“ zumindest bei einigen deutschen Gelehrten als neutraler kunsthistorischer Stilbegriff. Im Zusammenhang mit dem Auftreten des Neubarock stieg in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts die Wertschätzung des Barock an, und die Bezeichnung wurde als Stilbegriff eingeführt.

HEINRICH WÖLFFLIN (1864–1945), schweizerischer Kunsthistoriker.Er verfasste unter anderem die Schrift „Renaissance und Barock“ 1888.

Die internationale Forschung sah den Barock noch lange als die entartete Fortsetzung der Renaissance – insbesondere in England und Amerika war das Vorurteil gegen den Stil noch bis zum Zweiten Weltkrieg nicht beseitigt.

Politisch-soziale und historische Grundlagen des Barock

In der politischen Geschichte entspricht die Barockepoche der Periode gravierender sozialer und religiöser Umwälzungen

  • des Machtkampfes unter den europäischen Monarchien und
  • der Auseinandersetzung zwischen geistigen Strömungen, der Aufklärung und den Anfängen der modernen Wissenschaft.

Barocke Kunst ist wesentlich verflochten mit den widersprüchlichen und langwierigen Übergangsprozessen vom Feudalismus zum Kapitalismus, mit der Ausprägung frühmoderner Staaten, den Konflikten zwischen den sie tragenden Schichten bzw. dem zeitweiligen Interessenausgleich; mit den Bestrebungen, das Volk in Schranken zu halten und einer neuen Disziplinierung zu unterwerfen; mit einem neuen Schub an Urbanität und Vergesellschaftung, der auch die gesellschaftlichen Oberschichten betraf.

Es entstand eine soziale Situation, in der sich die feudal-absolutistischen Kräfte, auch die Kirche, aller Mittel der Repräsentation, Illusion und Prunkentfaltung bedienen mussten, um ihre Macht gegenüber dem nie voll unterworfenen Bürgertum zu demonstrieren, das besonders in Holland und England frühe kapitalistische Verhältnisse herzustellen begainn und sich dort ebenso autoritär gegenüber den anderen Kräften durchzusetzen suchte.

Nach der Reformation durch MARTIN LUTHER im 16. Jahrhundert spalteten sich die Christen in Protestanten und Katholiken. Während die Protestanten ihre Religion in einfacher und geradliniger Baukunst ausdrückten, repräsentierten die Katholiken im Gegenzug ihre Religion durch pompöse, verzierte Gebäude und zahlreiche Prachtbauten.

Dies ist ein Grund dafür, dass in barockem Stil errichtete Gebäude meistens in den katholischen Gebieten Europas anzutreffen sind. In Deutschland ist der Barock nicht so weit verbreitet, wie in manchen übrigen Staaten, beispielsweise Italien oder Frankreich, da im 17. Jahrhundert der Dreißigjährige Krieg ausbrach. So War nicht das nötige Geld für solch kostspielige Bauten vorhanden. Nach Kriegsende zog man vielfach italienische Baumeister heran, denn der Krieg hatte die Entwicklung der deutschen Kunst so hart unterbrochen, dass es im eigenen Land nicht genügend qualifizierte Künstler gab.

Das Interesse der Gegenreformation an einer massenwirksamen Kunst einerseits, Tendenzen zur Kunst einer volksnahen Kirche andererseits (MICHELANGELO CARAVAGGIO), ein neues Lebensgefühl hocharistokratischer Auftraggeber und die Stagnation des Spätmanierismus erzwangen vor 1600 die Abkehr von den intellektualisierten Schemata und der gelehrten Allegorik des Manierismus.

MICHELANGELO CARAVAGGIO: „Christus in Emmaus“;um 1600, Öl auf Leinwand, 139 × 195 cm;London, National Gallery.

Sie bereiteten den Übergang zu einer an RAFFAEL (1483–1520), TIZIAN (1485–1576) und CORREGGIO (um 1489–1534) anknüpfenden gefühlsbetonten und allgemeiner verständlichen Kunstsprache. Im gesamten kulturellen Leben ist so das Renaissance-Erbe immer wieder gegenwärtig.

Entscheidende Antriebskraft des Barock war die Gegenreformation, die vom Tridentinischen Konzil (1545–1563) eingeleitet wurde. Für die Kunst wurden klare Aufgaben bestimmt:

  • Als Repräsentationskunst und
  • Mittel zur Rekatholisierung bzw. zur Konsolidierung des Katholizismus

wurde ihr eine Art Überredungsfunktion zugewiesen. Zu diesem Zwecke war sie öffentliche Kunst – sichtbar vor allem in der Architektur.

Schloss mit Barockgarten in Weikersheim (Baden-Württemberg).Baubeginn des Schlosses war 1586. Es wurde bis in das frühe 18. Jh. an- und umgebaut.

In das architektonische Gesamtkunstwerk fügten sich Gartenbaukunst, Plastik, Wand- und Deckengemälde sowie monumentale Leinwandmalerei ein.
Die Malerei soll beispielsweise die Heilsgeschichte und Heiligenlegenden für die Betrachter in möglichst suggestiver Weise transportieren. Aus diesem Auftrag heraus erwächst das den Stil prägende Spannungsverhältnis zwischen den die Realität transzendierenden Inhalten und einer oft bis an die Grenze des Naturalismus vorstoßenden Darstellungsweise.

JAN BRUEGEL DER ÄLTERE: „Das Paradies“;um 1620, Öl, Eichenholz, 59 × 42 cm;Berlin, Gemäldegalerie.

Mit bedingt durch die Entwicklung der Naturwissenschaften entstehen auch rationalistische Elemente und ein pantheistisches Weltgefühl, die mit anderen bürgerlichen Elementen im Barock die Zukunft in sich tragen, die alle Kunst im Barock unterschiedlich stark prägen. Im Gefolge des Zeitalters der Entdeckung, einer universeller werdenden Wirklichkeit, im Gefolge einer durch die manufakturkapitalistischen Warenproduktionen reicheren Welt der Beziehungen und Genüsse wurde die Welt diesseitiger und umfassender, zugänglicher und sachlicher und weniger übersinnlich.

Alle Schichten der Gesellschaft erstrebten unter diesen Bedingungen mehr Ausdrucksstärke und gesteigerte Erlebnisse bis zu ekstatischen Visionen (GIOVANNI LORENZO BERNINI, 1598–1680; BARTOLOMÉ ESTEBAN MURILLO, 1618–1682).

BARTOLOMÉ ESTEBAN PEREZ MURILLO: „Kuchenesser“;1665–1675, Öl auf Leinwand, 123 × 102 cm;München, Alte Pinakothek.

Die Verbreitung des Barock

Im 17. Jahrhundert entwickelte sich Rom zum europäischen Kunstzentrum und zur bedeutendsten Barock-Stadt Europas. Zum ewigen Ruhm Gottes und der Kirche wollten die Päpste Rom zur schönsten Stadt der christlichen Welt machen und zogen Künstler aus vielen Ländern an. Die Hauptstadt der wieder erstarkten katholischen Kirche erstrahlte unter dem Mäzenatentum von Päpsten und adeligen Familien zu neuem barocken Glanz:

  • zahlreiche Kirchen und Brunnen wurden errichtet,
  • Platzanlagen gestaltet.
Rom, der Petersdom

Nach dem Auftakt in Rom 1580–1600 verbreitet der Barock sich in Italien und wird dort von ausländischen Künstlern aufgenommen (PETER PAUL RUBENS, 1577–1640; ADAM ELSHEIMER, 1578–1610; JOHANN LISS, 1595–1631 u. a.).

Seit etwa 1620–1630 übernehmen ihn die meisten europäischen Länder mit nationalen, stark gesellschaftlich bedingten Sonderungen.

Protestantisch gebliebene bzw. von der Reformation weniger berührte Regionen bilden verschiedene Ausdrucksformen. Besonders deutlich wird dieser Unterschied am Gegensatz der barocken Malerei im katholischen Flandern und den protestantischen Niederlanden mit ausgeprägtem Realismusstreben.

Der Einfluss des holländischen Realismus ( REMBRANDT, 1606–1669; FRANS HALS, um 1581–1666; ADRIAEN BROUWER, 1605–1638) spielt vor allem in Mittel- und Nordeuropa eine wichtige Rolle. Der holländischen Kunst, die von einigen Forschern (RICHARD HAMANN, 1879–1961; deutscher Kunsthistoriker) als „Anti-Barock“ gedeutet, und die in vielfacher Hinsicht stilistisch eigene Wege geht („außerstilistische Linie“), bleibt dennoch Teil des Barock. Aber selbst in stark bürgerlich-frühkapitalistischen Ländern, wo die Auftraggeber vor allem Bürger waren, gibt es eine aristokratische (und zum Absolutismus drängende) Komponente. In Holland nutzten der Hof der Oranier und das Amsterdamer Großbürgertum gleichsam klassizistische Architekturformen.

Die „realistische“ Tendenz, die von Anfang an in der Barockkunst vorhanden ist (CARAVAGGIO; JUSEPE DE RIBERA, 1591–1652), ging stark von einer neuen Unmittelbarkeit der Wahrnehmung aus, die gleichzeitig mit Sinnfragen, wie religiösem oder humanistischem Ethos oder Moralproblemen verbunden war. Ein vorherrschendes Anliegen wurde es, die Sinne zu bewegen, zu vergnügen und zu belehren, aber – vor allem bei sakralen oder repräsentativen Themen – auch zu überwältigen. Dieses Element durchdrang alle Kunst des Zeitalters im malerischen und grafischen Bild wie im plastischen Bildwerk. Wesentliche Elemente aus dem Erbe der humanistischen Weltsicht und gleichsam realistische Intentionen prägten entscheidend das Werk z. B. auch von PETER PAUL RUBENS.

PETER PAUL RUBENS: „Achilles besiegt Hektor“;1. Hälfte 17. Jh., Öl auf Holz, 44 × 51,5 cm;Rotterdam, Museum Boymans-van Beuningen.

Barocken Grundpositionen gegensätzliche Entwicklungslinien zeigen auch Frankreich und England. Beide Länder entwickeln angesichts der Tatsache, von der Reformation verhältnismäßig gering berührt worden zu sein, einen eher gemäßigten, zur Balance der Formen neigenden Barock.

Frankreich bezeichnet das 17. Jahrhundert – allerdings in Abgrenzung vom Klassizismus des späten 18. Jahrhunderts – als „style classique“ (also als „klassischen Stil“). Auch für die höfisch-absolutistische Kunst (LOUIS XIV.) sind klassizistische und rationalistische Würdeformen („gravitas“, feierliches „decorum“) brauchbar gewesen.

Gleichzeitig breitet sich in England der „Palladianismus“ aus. Hauptvertreter dieser an den Werken des oberitalienischen Architekten ANDREA PALLADIO (1508–1580) geschulten Baukunst war CHRISTOPHER WREN (1632–1723), der Schöpfer der Saint Paul's Cathedral in London (1672–1700 erbaut). Auch die aus Traditionen des humanistischen „Denkstils“ hervorgehende und ausgeprägt vergegenwärtigende Kunst des Spaniers DIEGO VELAZQUEZ (1599–1660) ist Hofkunst.

DIEGO VELÁZQUEZ: „ Las Meninas“ (Selbstporträt mit der königlichen Familie);1656–1657, Öl auf Leinwand, 318 × 276 cm;Madrid, Museo del Prado.

In Deutschland bricht der Dreißigjährige Krieg (1618–1648) die Ansätze ab und lässt den Barock, von Italien und den Niederlanden her befruchtet, erst Ende des 17. Jahrhunderts, gleich zum Spätbarock (Rokoko) übergehend, aufkommen.

Reiche Ausprägung fand der Barockstil in slawischen Ländern (Tschechien/Slowakei, Polen, Kroatien, Slowenien, Ukraine, auch Ungarn).

Mehr klassizistisch-barocke Wege ging die Kunst seit dem 18. Jh. in Skandinavien und besonders in Russland (BAZENOV, KOKORINOW) unter Einfluss und Mitwirkung italienischer, französischer und deutscher Baumeister (RASTRELLI, VALLIN DE LA MOTHE, SCHLÜTER).

Alternativ entwickelte sich der nach einer Moskauer Kaufmannsfamilie benannte „Naryschkin-Barock“ (auch „Moskauer Barock“) zum Ende des 17. Jahrhunderts (Pokrow-Kirche in Fili bei Moskau, 1690–1693). Er verbindet die Traditionen altrussischer Baukunst mit westeuropäischen Einflüssen, indem Motive der Holzschnitzerei in Stein gefertigt und als Bauschmuck genutzt werden. Unter Einfluss der alten Hochkulturen nahm der Barock in den damaligen spanischen Kolonien Lateinamerikas ebenfalls eigenartige Formen an.

Inhalte und Kennzeichen des Barock

Kennzeichnend ist die gesteigerte Bautätigkeit weltlicher und kirchlicher Auftraggeber, Planung bzw. Realisierung gewaltiger Vorhaben, nicht zuletzt im Städtebau, die zum Wettbewerb der Künstler, zur Intensivierung von Produktivität und aller Gestaltungsmittel, aber auch zur Verschwendung und verschärften Ausbeutung der Volksmassen führen. Die bestärkende Selbstverherrlichung (z. B. durch Bauten wie Versailles) und die Pracht der plastischen und malerischen Ausstattung von Schlössern und Kirchen sind gleichzeitig ideologisch-ästhetische Legitimation und Selbstüberredung und eine imponierende Demonstration für die Umwelt.

Die Volksbewegung der Zeit und vor allem eine viel stärker als vordem an der sinnlichen Erfahrung und der alltäglichen Praxis und ihrer wechselnden Bewertung ausgebildete Kunst lassen den Barock immer wieder wirklichkeitsnahe oder volkstümliche Züge annehmen (im bayerischen und österreichischen Barock). Insofern die Kraft und Schönheit des Menschen, auch aus dem Volke, gestaltet wird (z. B. auch bei RUBENS), führt die Entstehung einer „Propagandakunst“ nicht nur zu größerer Verbreitung, sondern auch – sei es in Ansätzen oder in voller Ausbildung – zu einer echten Demokratisierung der Kunst. Die profane Kunst trennt sich deutlich von der sakralen, auch indem erstere zunehmend bisherige Aufgaben der letzteren zuwachsen, z. B. als ethische Reflexion.

PETER PAUL RUBENS: „Eberjagd“;um 1615–1616, Öl auf Holz, 137 × 168 cm;Dresden, Gemäldegalerie.

Eine andere Seite dieses Prozesses ist, dass die profane Kunst auf die sakrale zurückwirkt (Klöster gleichen Schlössern; ein Marienaltar von RUBENS wirkt wie eine festliche Hofgesellschaft). Aus alledem folgt, dass Grundzüge des Barockstiles als allgemeingültige Spannungsfelder fassbar sind, die es möglich machen, vom Barock als Epocheneinheit zu sprechen:

  • zwischen einer Tendenz zur sozialen Polarisierung und dem Streben nach gesellschaftlicher Totalität;
  • zwischen entfalteter Sensibilität für das Einzelne und rationalem und emotionalem Besitzergreifen der Welt als Ganzes;
  • zwischen Lebensgenuss und seiner Zügelung, sinnlicher Alltagserfahrung und reflektierender Bewusstheit;
  • zwischen neuer Qualität der Wahrnehmung und Skepsis gegenüber der Fähigkeit der Sinne;
  • zwischen Individualität und ständiger Ordnung.

Mit großer Deutlichkeit erfasst die Kunst im 17. Jahrhundert die Gegensätze und Kontraste, sie sollten nicht nivelliert, sondern bekräftigt werden. Nicht Harmonisierung ist der letzte Sinn, sondern Bewältigung in einer künstlerischen Gestalt, in der die Elemente gegenwärtig bleiben und dynamisch aufgehoben sind.

Stand: 2010
Dieser Text befindet sich in redaktioneller Bearbeitung.

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