Orlando di Lasso

Zwischen Mons, Palermo und Neapel

ORLANDO DI LASSO (auch ROLAND DE LASSUS) wurde um 1532 in der franko-flämischen Stadt Mons im Hennegau (Belgien) geboren. Mit acht Jahren sang er dort als Chorknabe in Saint-Nicolas. Mit dem Einverständnis der Eltern nahm ihn 1544 der Vizekönig von Sizilien, FERRANTE GONZAGA (1506–1557), mit sich nach Palermo und später nach Mailand. Auf zahlreichen Reisen mit seinem Dienstherrn lernte ORLANDO die italienische Volksmusik und den Typus der improvisierten Stegreifkomödie „Commedia dell’arte“ (Berufsschauspielerei) kennen. Überdies bekam er Zugang zu den Adelskreisen. Diese Eindrücke gaben ihm Anreize, selbst erste Kompositionen zu schreiben.

Nachdem seine Anstellung bei GONZAGA endete, fand DI LASSO 1549 im MARCHESE DELLA TERZA in Neapel schnell einen neuen Förderer und Dienstherren. Durch ihn lernte der 18-jährige DI LASSO das gesellschaftliche Leben der Renaissance kennen. Angeregt durch das humanistische Ideal des umfassend gebildeten Menschen erwarb er sich gute Literaturkenntnisse und lernte Deutsch, Italienisch, Französisch und Latein.

Als Kapellmeister in München

Im Jahre 1553 wurde DI LASSO als Kapellmeister am Lateran in Rom angestellt. Doch schon ein Jahr später gab DI LASSO diese Stellung wieder auf, um zu seinen schwer erkrankten Eltern zurückzukehren, die er jedoch nicht mehr lebend antraf. Die Nachfolge in Rom trat sein Zeitgenosse GIOVANNI PIERLUIGI DA PALESTRINA (ca. 1525–1594) an. Die Jahre 1555/1556 verbrachte DI LASSO in Antwerpen. In diese Zeit fallen seine ersten Veröffentlichungen, die für eine enorme internationale Bekanntheit seiner Kompositionen sorgten. Durch sie wurde auch der junge Herzog ALBRECHT V. VON BAYERN (1528–1579) auf ihn aufmerksam und warb DI LASSO 1557 als Tenorist und Leiter der bayerischen Hofkapelle an, der er bis spätestens 1564 war. Trotz Angeboten des französischen Königshofes (1574) und (1580) des sächsischen Kurfürsten AUGUST I. (1526–1586) und ungeachtet der Verkleinerung der Hofkapelle nach 1580 blieb DI LASSO bis zu seinem Tode 1594 in München. Mit seiner Frau REGINA WÄCKINGER hatte er drei Töchter und fünf Söhne, von denen sich zwei ebenfalls als Komponisten einen Namen machten.

Bedeutung

DI LASSO nahm unter seinen Zeitgenossen eine herausragende Stellung ein. Er galt als der am besten bezahlte Komponist seiner Zeit. Eine erste Biografie über den Komponisten erschien bereits zu Lebzeiten 1566, verfasst von dem Arzt und Gelehrten SAMUEL VON QUICKELBERG (1529–1567). 1570 wurde DI LASSO von Kaiser MAXIMILIAN II. in den erblichen Adelsstand erhoben.

Besondere Bekanntheit erlangte DI LASSO durch seine Lieder und Motetten. Kompositorisch wiesen die 4–6-stimmigen Motetten nur noch eine lockere Bindung bzw. überhaupt keine Bindung mehr an einen Cantus firmus auf. Das häufige Abweichen von der konventionellen Satztechnik und vor allem seine eindrucksvolle Wortausdeutung durchbrachen die musikalischen Grenzen, in denen sich die franko-flämische Vokalpolyphonie (1400–1550) bis dahin bewegt hatte. Wegen der Vielzahl seiner Werke haftete DI LASSO der Ruf als derjenige in der Musikgeschichte an, der die meisten Noten geschrieben habe. 1604 erschien eine posthume Werkausgabe, das sogenannte „Magnum opus musicum“ („Das große Musikwerk“).

Werke

Wichtige Werke von ORLANDO DI LASSO sind z.B.

  • weltliche Werke:
    – Villanellen (Bauernlieder),
    – über 200 italienische Madrigale,
    – 140 französische Chansons,
    – etwa 90 deutsche Lieder;
     
  • geistliche Werke:
    – über 600 lateinische 4–6-stimmige Motetten,
    – ca. 70 Messen,
    – 4 Passionen,
    – über 30 Hymnen und Litaneien,
    – Bußpsalmen,
    – „Lagrime di San Pietro“ (20 Madrigale auf geistliche Texte für Papst Clemens VIII.).

Stand: 2010
Dieser Text befindet sich in redaktioneller Bearbeitung.

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