Balz, Brutpflege und Brutfürsorge

Eine innerartliche Beziehung um den Fortpflanzungspartner kann man bei der Balz beobachten. Bei der Fortpflanzung suchen die Angehörigen einer Art ihre Sexualpartner. Bei vielen Tierarten hat dabei die Balz eine wichtige Bedeutung. Das Auffinden und Anlocken des Partners sowie das räumliche Zusammentreffen der Geschlechter kann durch verschiedene Reize ausgelöst werden. Optische Reize als Auslöser sind beispielsweise beim Pfau, bei verschiedenen Leuchtkäfern (z. B. „Glühwürmchen“) und farbenprächtigen Fischmännchen zu beobachten. Akustische Reize als Auslöser findet man u. a. bei Heuschrecken, Zikaden, Fröschen, Vögeln, Brüllaffen, chemische Stoffe als auslösenden Reiz z. B. beim Schwammspinner (Lockentfernung bis 3 800 m).

Der Pfau spreizt seine Federn.

Balzverhalten bei Amseln

Ein häufiger Wald- und Stadtvogel ist die Amsel. Beispielsweise dringen Amselweibchen zur Balz unauffällig in die Reviere der Männchen ein. Das Werbeverhalten umfasst die Singbalz und das Imponieren der Männchen, das Werben um das Weibchen und Ansätze zum Nestbau.
Während der Balz verringert sich die Distanz der Sexualpartner, die Vögel gewöhnen sich aneinander, der Unnahbarkeitsbereich wird überwunden und die sexuelle Bereitschaft gefördert. Durch den Gesang angelockt, erscheinen im Revier oftmals mehrere Weibchen. Das Männchen wirbt durch bestimmte Körperbewegungen um ein Weibchen (Balz).

Als Balz werden demnach die Paarungsspiele der Tiere bezeichnet, die der Begattung vorausgehen.

Nach der Paarung und Begattung verteidigen beide gemeinsam ihr Revier. Nun beginnt der Bau des napfförmigen Nestes aus Zweigen, Moos und feuchter Erde in einer Astgabel oder Hecke durch das Weibchen. Das Männchen hilft beim Sammeln des Nestmaterials. In das Nest legt das Weibchen 3 bis 5 grünliche, mit dunklen Flecken versehene Eier. Sie brütet ca. 14 Tage. Dann schlüpfen aus den Eiern hilflose, nackte und blinde Jungvögel. Es sind Nesthocker . Sie müssen von beiden Eltern gewärmt und mit Regenwürmern und Insekten gefüttert werden.

Brutpflege

Diese Brutpflege im Nest dauert ca. 14 Tage. Dann verlassen die Jungvögel das Nest, werden aber noch ca. 10 Tage von den Eltern gefüttert.
Wie die jungen Amseln sind u. a. auch die jungen Tauben, Eisvögel und Rotkehlchen hilflose Nesthocker und auf die Hilfe der Elterntiere angewiesen.

Das Balzverhalten der Amsel am Brutort enthält arttypische Verhaltensweisen.

Auch bei den Mäusen, den Kaninchen und Eichhörnchen kann man Brutpflege beobachten. Die Jungen sind nach der Geburt blind, nackt und hilflos. Eine Behaarung ist kaum vorhanden. Sie sind also auf die Pflege durch die Elterntiere angewiesen. Weibchen und auch Männchen vieler weiterer Tierarten betreiben eine intensive Brutpflege. Das Erleben der Pflege und Betreuung der Tierkinder durch die Elterntiere, besonders durch die Tiermütter, gehört zu den schönsten Beobachtungen in Tiergärten, der freien Natur oder auch im Haus.

Aber auch die männlichen Elterntiere betreiben Brutpflege. Die Männchen der Geburtshelferkröten z. B. schützen die Gelege der Weibchen. Dazu wickeln sie sich die durch einen Gallertfaden verbundenen Eier um die Hintergliedmaßen und tragen diese mit sich umher. Nach zwei bis sieben Wochen – je nach Temperatur – tritt die Schlüpfbereitschaft der Larven ein. Die männlichen Geburtshelferkröten begeben sich dann zum Wasser, und die Larven können schlüpfen.

Schimpansenmutter mit Jungtier

Brutfürsorge


Ein weiterer fördernder Faktor zum Schutz der Nachkommenschaft ist die Brutfürsorge. Zur Brutfürsorge verstecken Weinbergschnecken ihre Eier sicher im Boden, Bitterlinge legen ihre Eier in die Mantelhöhle der Teichmuschel, bei Borkenkäfern erfolgt die Eiablage unter der Borke von Nadelbäumen, und die Pillendreher verstecken die Eier zusammen mit einem Nahrungs- und Wasservorrat aus Mist.
Bei den Erlenblattkäfern erfolgt die Eiablage auf der speziellen Futterpflanze, der Schwarzerle. Die Fliegen legen ihre Eier in tote Tierkörper.
Maßnahmen der Brutfürsorge haben eines gemeinsam. Es sind Leistungen, die von den Elterntieren für die Nachkommen im Voraus erbracht werden, z. B. Schutz, Ernährung oder beides. Die Brutfürsorge ist mit dem Zeitpunkt der Eiablage oder dem Absetzen der Jungen beendet.

Pillendreher bei der „Arbeit“
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