Die Auswahl von Standortfaktoren am Beispiel von Banken und Kreditinstituten

Die richtige Standortwahl – eine wichtige Voraussetzung für die Ertragssicherung

Mit der Auswahl seines Standortes stellt jedes Wirtschaftsunternehmen wichtige Weichen für die Umsetzung seiner Geschäftsstrategie und damit für den wirtschaftlichen Erfolg. Da Banken und Kreditinstitute als Unternehmen des Tertiären Sektors zumeist an vielen Standorten vertreten sind, ist bei ihnen, im Vergleich beispielsweise zu Industriebetrieben, die Standortverteilung großflächiger und differenzierter. So gibt es Banken mit ausgeprägter lokaler Anbindung, beispielsweise die Sparkassen, aber auch bundesweit und international operierende Landes- und Geschäftsbanken.

Die Standortwahl für jeden neuen Bankstandort (Bild 1) erfolgt, genau wie in anderen Bereichen der Wirtschaft, auf der Grundlage einer exakten Bewertung der maßgeblichen Standortfaktoren unter dem Gesichtspunkt der ökonomische Zielsetzung. Diese Zielsetzung besteht unabhängig von der geschäftspolitischen Ausrichtung der Banken und Kreditinstitute in einer langfristigen Ertragssicherung und -steigerung. Die Bewertung der Standortfaktoren läuft deshalb auf eine genaue Kosten-Nutzen-Analyse hinaus, die letztendlich für oder gegen die Ansiedlung am betreffenden Standort entscheidet.

Finanzstandort Frankfurt/Main

Finanzstandort Frankfurt/Main

Dazu werden Standortkonzepte zugrunde gelegt, um vorhandene Marktbedingungen und Entwicklungsmöglichkeiten, aber auch die wirtschaftlichen Risiken abzuwägen:
Wichtig für das Standortkonzept ist beispielsweise die zu erwartende Anzahl an Bankkunden sowohl im Privatkunden- als auch im Firmenkundengeschäft. Dabei versucht man auch positive Effekte zwischen den Geschäftsbereichen zu berücksichtigen. So führt die Ansiedlung eines Großinvestors, wie beispielsweise von Opel in Eisenach, auch zu Geschäften im Bereich der Immobilienfinanzierung, denn ein Teil der neuen Mitarbeiter und Führungskräfte wird sich vermutlich am Standort ansiedeln.

Standortfaktoren

Die für die Standortwahl von Unternehmen maßgeblichen Einflussgrößen unterteilen sich auch im Dienstleistungsbereich wie in der übrigen Wirtschaft in harte und weiche Standortfaktoren. Zwischen den Wirtschaftsbereichen unterscheidet sich meist nur die Gewichtung der einzelnen Standortfaktoren bei der Entscheidung für oder gegen einen Standort.
Im Hinblick auf die Standortwahl von Banken und Kreditinstituten besitzen folgende Faktoren besonderes Gewicht:

Harte Standortfaktoren

  • die Infrastruktur vor Ort, wie die Verkehrsanbindung und die Erreichbarkeit,
  • die Nähe zum potenziellen Kunden,
  • die Grundstückspreise, d. h. die Kosten für das Grundstück oder die Mietkosten,
  • die Arbeitsmarktlage, d. h. das Vorhandensein entsprechend qualifizierter Arbeitskräfte sowie die voraussichtlichen Lohn- und Gehaltskosten und die Verfügbarkeit von Arbeitskräften,
  • das Vorhandensein von Branchenkontakten und die Konkurrenzsituation,
  • die Regionalentwicklung, d. h. die Anzahl und Größe vorhandener und geplanter gewerblicher und Industrieunternehmen,
  • die demoskopischen Strukturen, z. B. Alter, Qualifikation, Finanzkraft und Nachfragepotenzial bei den zu erwartenden Kunden,
  • das Vorhandensein und die Höhe von Abgaben, z. B. von Steuern, oder von Förderpräferenzen, z. B. von Investitionszulagen, am Ort oder in der Region,
  • die Nähe zu Hochschulen bzw. zur Forschung (Gewinnung hoch qualifizierter Fachkräfte und Nutzung von Forschungsergebnissen).

Weiche Standortfaktoren

Bei den weichen Standortfaktoren müssen unternehmensbezogene und personenbezogene Standortfaktoren unterschieden werden.

Unternehmensbezoge Standortfaktoren sind:

  • die Gewährleistung der Sicherheit der Produktion und der Mitarbeiter am Standort,
  • die Qualität des Wohnens und des Wohnumfeldes,
  • das Image der Stadt oder der Region,
  • das Image desBetriebsstandortes, so siedeln sich Banken gern in Bankenvierteln größerer Städte an,
  • das vorhandene (positive) Wirtschaftsklima in einer Stadt,
  • die Mentalität der Bevölkerung,
  • die Umweltbedingungen und die Qualität der Umwelt.

Personenbezogene Standortfaktoren sind:

  • die Nähe zu Schulen und Ausbildungsstätten,
  • der Reiz eines Ortes und sein Freizeitwert,
  • das kulturelle Angebot.

Nach der Wiedervereinigung beider deutscher Staaten haben sich für die Banken und Kreditinstitute bei der finanziellen Unterstützung des wirtschaftlichen Strukturwandels gewaltige neue Märkte ergeben.

Schon durch die mit dem Beitritt der DDR zur Bundesrepublik Deutschland verbundene Erhöhung der Bevölkerung um rund 16 Millionen Menschen entstand ein neuer Nachfragemarkt nach Finanzdienstleistungen. Zum Beispiel wurden die Möglichkeiten, Bausparverträge abzuschließen oder Konsumgüter durch Kredite zu finanzieren, von der Bevölkerung in den neuen Bundesländern rege in Anspruch genommen. Das betraf auch das breite Angebot neuer Geldanlageformen (Aktien, Dividendenpapiere, Bundesschatzbriefe usw.), das es vorher nicht in diesem Umfang gegeben hatte.

In kurzer Zeit stiegen Präsenz und Anzahl der Geschäftsstellen von Banken. Allein im Zeitraum von 1990 bis 1993 hat sich die Zahl der Bankfilialen in den neuen Bundesländern von 1524 auf 6095 erhöht.

Außerdem war seit der Wiedervereinigung in den neuen Bundesländern der Finanzbedarf durch Firmenneugründungen und Gewerbeansiedlungen hoch. Die Gewährung von „Startkapital“ war für die Kreditinstitute allerdings mit einem nicht geringen unternehmerischen Risiko verbunden. Sie mussten ja bei der kreditmäßigen Begleitung neuer mittelständischer Unternehmen zunächst in Vorleistung gehen; in der Hoffnung auf spätere rentable Geschäftsbeziehungen. Das ging nicht selten schief. Auch eine Reihe Standortentscheidungen für bestimmte Regionen, die in Erwartung einer sehr positiven Marktentwicklungen getroffen wurden, erwiesen sich als falsch – wodurch die Filialdichte an Banken in Ostdeutschland wieder abnahm.

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