Peter Gabriel

Die Anfänge

PETER GABRIEL begann seine Musikerlaufbahn als Sechzehnjähriger in einer Schülerband. Nach Veränderungen in der Besetzung und Umbenennung ging daraus 1967 die Gruppe GENESIS hervor, eine in der ersten Hälfte der 1970er-Jahre hochgeschätzte Art Rockband, die in PETER GABRIEL als Sänger und Songschreiber, aber auch als Verkleidungs- und Bewegungskünstler ihr unbestrittenes Zentrum besaß. Dem kreativen Multitalent erschienen die in der Gruppenarbeit notwendigen Kompromisse allerdings sehr bald schon ebenso als Einengung seiner künstlerischen Ansprüche wie ihm der ununterbrochene Tourneestress überdrüssig wurde. Auf dem Höhepunkt des Erfolges von GENESIS verabschiedete sich GABRIEL 1975 von der Band, um einer Solokarriere nachzugehen.

Die Solokarriere

Fast zwei Jahre brauchte es, bis GABRIEL das Repertoire für seine erste Solo-Platte zusammen hatte, doch dann sah sich das Publikum mit einer ganz anderen Seite des Musikers konfrontiert. Mit einem ebenso introvertierten wie experimentierfreudigen Musikkonzept, das in den nun folgenden Jahren charakteristisch für ihn wurde, verließ er die ausgetretenen und durch kommerziellen Erfolg ausgewiesenen Pfade des Popmusikgeschehens.

Entsprechend groß waren die Schwierigkeiten mit der Musikindustrie, und das obwohl sich alle seine Alben (trotz der zunächst erfolgten Einstufung als „kommerziell untauglich“) erfolgreich verkauften und zumindest mit einzelnen Auskopplungen jeweils hoch in den Charts platziert waren. Die ersten drei eigenen Alben waren nur mit seinem Namen betitelt, angesichts der damals nicht nur bei GENESIS üblichen, teils kryptischen, teils überladenen Albentitel ein deutliches Zeichen der Distanz. Auch seine Bühnenshows blieben frei von dem theatralischen Bombast, den das Publikum von GENESIS gewöhnt war und beschränkten sich auf die schlichte Präsentation der Songs.

GABRIEL verwirklichte sich als Musiker in sehr unterschiedlichen Zusammenhängen, sowohl auf der Bühne wie im Studio, aber auch als Filmkomponist, unter anderem 1980 für „Birdy“ (Regie: ALAN PARKER). Immer wieder war der innovative Künstler dabei an vorderster Front neuer Entwicklungen zu finden.

Worldmusik und Muiltimedia

1982 schuf GABRIEL mit der World Of Music Arts And Dance Foundation (WOMAD) eine Organisation, die dem Erhalt und der Förderung der Kulturen der Welt gewidmet ist und mit der Veranstaltung von Festivals und Workshops vor allem Musik und Musikern aus den Ländern der dritten Welt eine kommerzielle Plattform liefert. GABRIEL gilt damit als einer der Wegbereiter der sogenannten World Music, auch wenn der Brückenschlag zwischen den Musikmärkten des Westens und dem kreativen Potenzial aus den Ländern der Dritten Welt nicht unumstritten geblieben ist.

1986 gelang ihm mit „Sledgehammer“ nicht nur sein bislang größter kommerzieller Erfolg, sondern das von ihm konzipierte Video zum Song ist eines der ersten, das mit einer vom Film deutlich unterschiedenen Bildsprache arbeitet und damit als ein Markstein in der Entwicklung des Musikvideos gilt.

1989 gründete GABRIEL mit „Real World“ ein Unternehmen, das mit

  • einem großen Studiokomplex, den „Real World Studios“, sowie
  • dem Label „Real World Records“

sowohl für seine eigenen Projekte als auch für die ihm wichtigen Gruppen und Musiker aus allen Teilen der Welt zur Basis wurde. 1994 brachte er als erster Musiker mit „Xplora“ ein interaktives Multimediaprojekt auf CD-ROM heraus. Seither widmete er sich verstärkt Multimediaprojekten.

Der politische Aktivist

GABRIEL machte auch als politischer Aktivist von sich reden.

  • Schon 1980 setzte er mit „Biko“, gewidmet dem 1977 in Südafrika ermordeten Aktivisten des ANC, ein Zeichen. Das Lied wurde zu einer Art Hymne der Antiapartheitsbewegung.
  • Mit seinem Einsatz für die Antiapartheitsbewegung spielte GABRIEL 1988 und 1990 bei den „Free Nelson Mandela“-Konzerten im Londoner Wembley-Stadion eine zentrale Rolle.
  • Er engagierte sich für Amnesty International,
  • gehörte 1986 zu den Teilnehmern an der „Conspiracy of Hope“-Tour zugunsten der Menschenrechtsorganisation und
  • 1988 zu den Initiatoren der „Human Rights Now“-Tour, auf der er gemeinsam mit dem senegalesischen Musiker YOUSSOU N’DOUR (* 1959) auf der Bühne stand.
  • 1992 gründete GABRIEL „Witness“, ein Programm, das Menschenrechtsaktivisten in aller Welt mit Kommunikationsmitteln zur Dokumentation von Menschrechtsverletzungen ausstattet.
  • Seit 1989 gehört auch Greenpeace zu den Organisationen, für die er sich mit seinem Namen und Aktionen einsetzt.

Dabei war GABRIEL das Ausschöpfen der Möglichkeiten des Musizierens vor dem Hintergrund neuer Technologie stets Programm. Er ist einer der Pioniere der Entwicklung des Musikvideos gewesen, der den Promotion-Clips zu einer eigenständigen künstlerischen Form verholfen hat. Auch seine Multimedia-Arbeiten, wie die CD-ROMs

  • „Xplora“ (1994) und
  • „Ceremony of Innocence“ (1997),

stellen Pionierarbeiten dar, für die er eine Reihe von renommierten Auszeichnungen erhielt, darunter

  • 1997 den European Multimedia Awards und
  • 1998 den amerikanischen Invision Awards sowie den Interactive Entertainment Awards der British Academy of Film and Television Arts.

Im Zentrum seines Schaffens steht jedoch das Bemühen um ein multikulturelles Musikkonzept, das in den fortgeschrittensten Möglichkeiten der Technologie begründet ist. Dem hat er sich vor allem seit Anfang der 1990er-Jahre nicht nur

  • als Musiker, sondern auch
  • als Produzent,
  • Organisator und
  • vielseitiger Musik-Unternehmer verschrieben.

Stand: 2010
Dieser Text befindet sich in redaktioneller Bearbeitung.

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