Theodor Fontane

Lebensgeschichte und literarisches Schaffen

THEODOR FONTANE wurde am 30. Dezember 1819 als Sohn des Apothekers LOUIS HENRI FONTANE und dessen Frau EMILIE, geb. LABRY, in Neuruppin (bei Berlin) geboren.

Aus finanziellen Gründen (er war leidenschaftlicher Spieler) verkaufte der Vater seine „Löwen-Apotheke“ und die Familie zog zuerst in Neuruppin um, 1827 übersiedelte sie nach Swinemünde, da der Vater die dortige „Adler-Apotheke“ gekauft hatte. Zuerst besuchte FONTANE die Stadtschule, auf Wunsch der Mutter wurde er schon bald von der Schule genommen und von den Hauslehrern befreundeter Familien unterrichtet.
1832, wieder in Neuruppin, besuchte FONTANE das Friedrich-Wilhelm-Gymnasium. Ein Jahr später trat er in die Gewerbeschule von KARL FRIEDRICH KLÖDEN in Berlin ein. 1835 kam es zur ersten Begegnung mit seiner späteren Frau, mit EMILIE ROUANET-KUMMER. Nach einjährigem Schulbesuch verließ er die Gewerbeschule und begann 1836 seine Lehrzeit bei dem Apotheker WILHELM ROSE in Berlin, in der Spandauer Straße. Im Jahre 1836 wurde FONTANE in der französisch-reformierten Kirche konfirmiert.
1837 erwarb der Vater die „Adler-Apotheke“ in Mühlberg und 1838 seine vierte und letzte in Letschin, einem Dorf im Oderbruch. Die Familie siedelte wieder um.

Ein Jahr später veröffentlichte FONTANE seine erste Novelle, „Geschwisterliebe“ erschien im „Berliner Figaro“. 1840 beendete er seine Lehrzeit und war fortan Apothekergehilfe, zuerst in ROSEs, später in DR. KANNEBERGs Apotheke in Magdeburg, in der Apotheke „Zum weißen Adler“ in Dresden, in der Apotheke seines Vaters.
Ende 1840 kehrte er, an Thyphus erkrankt, zu seinen Eltern nach Letschin zurück, um sich dort zu erholen. Einige Gedichte wurden von ihm im „Figaro“ veröffentlicht, außerdem war er Korrespondent der Leipziger „Eisenbahn“ und wurde von BERNHARD VON LEPEL in den Literarischen Sonntagsverein „Tunnel über der Spree“ eingeführt.

Als Einjährig-Freiwilliger trat FONTANE 1844 in das Gardegrenadierregiment „Kaiser Franz“ ein. Nach dem Militärdienst arbeitete er wiederum kurzzeitig bei seinem Vater in der Apotheke, dann trat er in die Polnische Apotheke von DR. JULIUS EDUARD SCHACHT ein. 1846 legte er sein Pharmazeutisches Staatsexamen ab und erhielt die Approbation zum „Apotheker erster Klasse“. FONTANE trat am 1. Oktober in die Apotheke „Zum Schwarzen Adler“ ein, nahm dann aber 1848 eine Stelle im Krankenhaus Bethanien an, um zwei Diakonissinnen auszubilden. Außerdem beteiligte er sich an den Barrikadenkämpfen auf Seiten der Revolutionäre. Vier recht radikale Gedichte und Artikel von ihm erschienen in der Zeitschrift „Berliner Zeitungshalle“.
1849 verließ er das Krankenhaus und gab den Apothekerberuf ganz auf. Nach einigen Veröffentlichungen politischer Korrespondenzen in der „Dresdner Zeitung“ erschienen im Dezember seine ersten Buchveröffentlichungen, so z.B. der Gedichtband „Männer und Helden. Acht Preußenlieder“ und 1850 der Gedichtzyklus „Von der schönen Rosamunde“.

1850 heiratete FONTANE EMILIE RUANET-KUMMER. In dieser Ehe wurden sieben Kinder geboren, von denen drei schon kurz nach der Geburt starben: GEORG EMILE (1851), THEODOR (1856), MARTHA (1860) und FRIEDRICH (1864).
Die Familie lebte in gespannter finanzieller Lage und so war FONTANE gezwungen, verschiedene Stellungen anzunehmen. So war er bei der „Centralstelle für Presseangelegenheiten“, die aus dem „Literarischen Kabarett“ (FONTANE war 1850 kurzzeitig Mitarbeiter) hervorgegangen war und arbeitete ab 1852 als Presseattaché der preußischen Gesandtschaft in London. In dieser Zeit verfasste er seine ersten Kunstkritiken (siehe PDF "Theodor Fontane - G. Hauptmann, Vor Sonnenaufgang"). 1858 kündigte er seine Stelle bei der Gesandtschaft und die Familie siedelte 1859 von London nach Berlin. Von nun an unternahm er erste Wanderungen in der Umgebung Berlins. 1860 erschienen zwei Reisebücher „Aus England“ und „Jenseits von Tweed“ und im Jahre 1862 erschien der erste Band der „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“, allerdings noch unter dem Titel „Die Grafschaft Ruppin“, der zweite Teil der „Wanderungen“ erschien 1863.

Nach einer Reise FONTANEs zum dänischen Kriegsschauplatz bis nach Kopenhagen verfasste er 1866 sein erstes Kriegsbuch mit dem Titel „Der Schleswig-Holsteinische Krieg“. Nach Reisen zu Kriegsschauplätzen des preußisch-österreichischen Krieges nach Böhmen erschien 1870 „Der deutsche Krieg von 1866“. In den frühen Siebzigerjahren des 19. Jahrhunderts, eine für FONTANE sehr unruhige Zeit, entstanden Werke wie

  • „Kriegsgefangen. Erlebtes 1870“ (1871),
  • „Aus den Tagen der Okkupation. Eine Osterreise durch Nordfrankreich und Elsass-Lothringen 1871 (1871),
  • „Wanderungen. Dritter Teil“ (1872),
  • „Der Krieg gegen Frankreich 1870–71“ (1873–1876).

In „Kriegsgefangen. Erlebtes 1870“ schilderte FONTANE seine Erlebnisse während seiner mehrwöchigen Gefangenschaft auf der Isle D'Oléon, als er – wegen seiner Kriegsberichterstattung als Spion verdächtigt – am 5. Oktober 1870 am Denkmal der Jungfrau von Orléans in Domremy festgenommen und erst auf Veranlassung OTTO VON BISMARCKs wieder freigelassen wurde.

Über ein Jahrzehnt hatte FONTANE an den Kriegsbüchern gearbeitet, ohne Anerkennung. Das Ende dieser Arbeit fiel in das Kriegsjahr 1876, in dem FONTANE seiner Frau zuliebe versuchte, sich und seine Familie wirtschaftlich abzusichern. Er wurde zum ersten Sekretär der Königlichen Akademie der Künste berufen, bat aber Ende Mai bereits um seine Entlassung.
Er schloss einen recht lockeren Vertrag mit der „Vossischen Zeitung“, für die er dann fast zwanzig Jahre Theaterrezensionen schrieb. Der letzte Versuch einer festen Anstellung war eine Sekretariatsstelle an der Königlichen Akademie der Künste, endete aber mit Demütigungen und allseitiger Verstimmung. Für den Rest seines Lebens wählte er „trotz Abgrund und Gefahren“ die freie Schriftstellerexistenz.: „Mir ist die Freiheit Nachtigall, den andern Leuten das Gehalt“.

Im Jahr 1876 nahm er die Arbeit an dem Roman „Vor dem Sturm“ wieder auf und beendete sie 1878. Er betrieb Lokalstudien in Tangermünde für seine Novelle „Grete Minde“ (siehe PDF "Theodor Fontane - Grete Minde"), das fertige Buch erschien 1880 (Grete Minde wurde wegen Brandstiftung, der fast ganz Tangermünde zum Opfer fiel, zum Tode verurteilt. Erst Jahre nach Vollstreckung des Todesurteils stellte sich ihre Unschuld heraus.).

In den Achtzigerjahren beendete er außerdem die Arbeit am vierten Band der „Wanderungen“ (1882) und an dem Roman „L'Adultera“ (1882). Weiterhin erschienen die Novellen „Schach von Wuthenow“ (1883, siehe PDF"Theodor Fontane - Schach von Wuthenow") und „Unterm Birnbaum“ (1885) sowie die Romane „Cécile“ (1886, siehe PDF "Theodor Fontane - Cécile") und „Irrungen, Wirrungen“ (1888, siehe PDF "Theodor Fontane - Irrungen, Wirrungen").

1889 gab FONTANE nach über 19 Jahren Theaterkritik seine Stelle auf. 1891 erhielt er zusammen mit KLAUS GROTH den Schiller-Preis. Im selben Jahr erschien sein Roman „Unwiederbringlich“.
1892 erkrankte FONTANE schwer an Gehirnanämie. Der Gefahr bleibender geistiger Umnachtung ausgesetzt, schrieb er in dieser kritischen Zeit seine Kindheitserinnerungen auf und so entstand die Autobiografie „Meine Kinderjahre“, die 1894 erschienen. In diesem Jahr wurde ihm auch die Ehrendoktorwürde der Philosophischen Fakultät der Berliner Universität verliehen.

1895 erschien der Roman „Effi Briest“, sein wohl auch heute noch bekanntestes und mehrfach verfilmtes Werk. Noch im selben Jahr begann er mit der Arbeit an dem Roman „Stechlin“ und an seiner Autobiografie „Von Zwanzig bis Dreißig“, die 1897 bzw. 1898 erschienen.
Am 20. September 1898 starb THEODOR FONTANE in seiner Berliner Wohnung.

„Das Endresultat ist immer eine Art dankbares Staunen ... Es ist alles leidlich geglückt, und man hat ein mehr als nach einer Seite hin bevorzugtes und, namentlich im kleinen, künstlerisch abgerundetes Leben geführt, aber zurückblickend, komme ich mir doch vor wie der Reiter über den Bodensee in dem gleichnamigen Schwabschen Gedicht, und ein leises Grauen packt einen noch nachträglich.“
(THEODOR FONTANE in einem Schreiben an seine Frau vom 23. August 1891, in: ders.: Aus meinem bunten Leben: ein biographisches Lesebuch. München, Wien: Hanser, 1998, S. 259)

Eine lebhafte Auseinandersetzung mit seiner Zeit charakterisiert den jungen wie den alten FONTANE. Alles geht ein in sein Romanwerk, das wie HEINRICH MANN schrieb, „das gültige, bleibende Dokument einer Gesellschaft, eines Zeitalters“ wurde. Neben diesen seinen Romanen, den Novellen, Reiseberichten und Kriegsberichten wurde FONTANE auch mit einigen Gedichtbänden bekannt. Eines seiner beliebtesten Gedichte ist das Gedicht vom Herrn Ribbeck:

Herr Ribbeck auf Ribbeck im Havelland

Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland
Ein Birnbaum in seinem Garten stand,
Und kam die goldene Herbsteszeit
Und die Birnen leuchteten weit und breit,
Da stopfte, wenn's Mittag vom Turme scholl,
Der von Ribbeck sich beide Taschen voll,
Und kam in Pantinen ein Junge daher,
So rief er: „Junge wiste'ne Beer?“
Und kam ein Mädel, so rief er: „Lütt Dirn,
Kumm man röwer, ick hebb 'ne Birn.“

So ging es viel Jahre, bis lobesam
Der von Ribbeck auf Ribbeck zu sterben kam.
Er fühlte sein Ende.'s war Herbsteszeit,
Wieder lachten die Birnen weit und breit;
Da sagte von Ribbeck: „Ich scheide nun ab.
Legt mir eine Birne mit ins Grab.“
Und drei Tage drauf, aus dem Doppeldachhaus,
Trugen von Ribbeck sie hinaus,
Alle Bauern und Bündner mit Feiergesicht
Sangen „Jesus mein Zuversicht“.
Und die Kinder klagten, das Herze schwer:
„He is dod nu. Wer giwt uns nu 'ne Beer?“

So klagten die Kinder. Das war nicht recht –
Ach, sie kannten den alten Ribbeck schlecht;
Der neue freilich, der knausert und spart,
Hält Park und Birnbaum strenge verwahrt.
Aber der alte, vorahnend schon
Und voll Mißtraun gegen den eigenen Sohn,
Der wußte genau was damals er tat,
Als um eine Birn ins Grab er bat,
Und im dritten Jahr aus dem stillen Haus
Ein Birnbaumsprößling sproßt heraus.

Und die Jahre gehen wohl auf und ab,
Längst wölbt sich ein Birnbaum über dem Grab,
Und in der goldenen Herbsteszeit
Leuchtet's wieder weit und breit.
Und kommt ein Jung' übern Kirchof her,
So flüstert's im Baume: „Wist'ne Beer?“
Und kommt ein Mädel, so flüstert's: „Lütt Dirn,
Kumm man röwer, ick gew di 'ne Birn.“

So spendet Segen noch immer die Hand
Des von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland.

(Fontane, Theodor:Gedichte. 10. Auflage. Stuttgart und Berlin: J. G. Cotta’sche Buchhandlung Nachfolger, 1905, S. 318–319)

Werke (Auswahl)

  • Geschwisterliebe (1839, Novelle)
  • Von der schönen Rosamunde (1850, Gedichtband)
  • Männer und Helden. Acht Preußenlieder (1850, Gedichtband) Gedichte (1851)
  • Unsere lyrische du epische Poesie seit 1848 (1853, Aufsatz)
  • Tuch und Glocke (1854, Novelle)
  • James Monmouth (1854, Novelle)
  • Goldene Hochzeit (1854, Novelle)
  • Ein Sommer in London (1854, Reisebericht)
  • Jenseits des Tweed (1860, Reisebericht)
  • Aus England (1860, Reisebericht)
  • Wanderungen durch die Mark Brandenburg (1862-82, Reiseberichte):
    - Die Grafschaft Ruppin (1862)
    - Das Oderland (1863, Bild 3)
    - Ost-Havelland. Die Landschaft um Spandau, Potsdam, Brandenburg (1872)
    - Spreeland, Beeskow-Storkow und Barnim-Teltow (1882)
  • Der Schleswig-Holsteinische Krieg im Jahre 1864 (1866, Kriegsbericht)
  • Reisebriefe vom Kriegsschauplatz (1866, Kriegsbericht)
  • Kriegsgefangen. Erlebtes 1870 (1871, Reisebericht)
  • Der deutsche Krieg von 1866 (1870/71, Kriegsbericht)
  • Aus den Tagen der Okkupation. Eine Osterreise durch Nordfrankreich und Elsass-Lothringen 1871 (1871, Reisebericht)
  • Walter Scott (1871, Aufsatz)
  • Wilibald Alexis (1872, Aufsatz)
  • Der Krieg gegen Frankreich 1870–71 (1873/75/76, Kriegsberichte)
  • Gedichte (1875)
  • Vor dem Sturm. Roman aus dem Winter 1812/13 (1878, Roman)
  • Grete Minde (1880, Novelle, siehe PDF "Theodor Fontane - Grete Minde")
  • Ellernklipp (1881, Novelle)
  • L'Adultera (1882, Roman)
  • Schach von Wuthenow (1883, Novelle, siehe PDF "Theodor Fontane - Schach von Wuthenow")
  • Graf Petöfy (1884, Roman)
  • Unterm Birnbaum (1885, Novelle)
  • Cécile (1886, Roman, siehe PDF "Theodor Fontane - Cécile")
  • Irrungen, Wirrungen (1888, Roman, siehe PDF "Theodor Fontane - Irrungen, Wirrungen")
  • Fünf Schlösser. Altes und Neues aus der Mark Brandenburg (1888, Reisebericht)
  • Gedichte (1889)
  • Stine (1890, Roman)
  • Unwiederbringlich (1891, Roman)
  • Quitt (1891, Novelle)
  • Gedichte (1892)
  • Frau Jenny Treibel oder Wo sich Herz zum Herzen find't (1892, Roman, siehe PDF "Theodor Fontane - Frau Jenny Treibel")
  • Meine Kinderjahre (1894, Autobiografie)
  • Effi Briest (1895, Roman)
  • Die Poggenpuhls (1896, Roman)
  • Der Stechlin (1897, Roman)
  • Gedichte (1898)
  • Von Zwanzig bis Dreißig (1898, Autobiografie)
  • Mathilde Möhring (1906, Roman, posthum)
  • Allerlei Glück (1929, Romanfragment, posthum)

Stand: 2010
Dieser Text befindet sich in redaktioneller Bearbeitung.

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