Claude Lorrain

CLAUDE LORRAIN – Weg zum Künstler

CLAUDE GELLÉE, der wegen seiner Herkunft aus Lothringen den Namen CLAUDE LORRAIN erhielt, kam vermutlich im Jahr 1600 in Chamagne südlich von Nancy zur Welt. Andere Quellen legen seine Geburt in die Jahre 1604 oder 1605.

Als Waise kam er früh zu seinem Bruder, einem Kupferstecher, nach Freiburg im Breisgau, reiste dann nach Rom und hielt sich von 1618 bis 1622 in Neapel auf.

Gelernt hatte er die Pastetenbäckerei, fand damit auch zunächst eine Anstellung im Haushalt des Landschafts- und Dekorationsmalers AGOSTINO TASSI in Rom, doch bald wurde er Schüler der Malerei.

In Neapel empfing er wesentliche Anregungen zur Landschaftsmalerei bei GOFFREDO WALS. Seine Neapeler Studien konnte er nach seiner Rückkehr nach Rom im Haus AGOSTINO TASSIS ausreifen lassen.

1625/26 hielt er sich noch einmal in Lothringen auf, 1626/27 kehrte er nach Rom zurück und wurde seit 1634 als Mitglied der Accademia di San Luca geführt.

LORRAIN begann mit kleinformatigen Genreszenen in Landschaften. Die Landschaftsmalerei sollte sein bevorzugtes Thema werden. Neben NICOLAS POUSSIN wurde er zum wichtigsten französischen Landschaftsmaler des 17. Jahrhunderts, der seine Werke ebenso wie dieser aber in Italien schuf. Seit 1637 galt er als bedeutender Künstler in Rom und erhielt Aufträge von Adeligen wie von den Päpsten URBAN VIII. und ALEXANDER VII. In diesen Jahren begann CLAUDE LORRAIN auch bereits mit Nachzeichnungen seiner eigenen Gemälde.

Mit dem „Liber veritas“, das er seiner Tochter vererbte und das heute in London im British Museum aufbewahrt wird, der 200 Zeichnungen seiner Werke enthält, schuf er sich einen eigenen Œuvrekatalog, um seine Arbeiten zu dokumentieren und sich gegenüber Nachahmern und Fälschern schützen zu können.

1682 starb CLAUDE LORRAIN in Rom.

CLAUDE LORRAIN: „Bäume am Waldrand“;1635–1640, Schwarze Kreide, Feder in Braun, braun laviert, auf Papier, 211 × 252 mm;Paris, École des Beaux Arts, Collections patrimoniales;Land: Frankreich, Stil: Barock.

CLAUDE LORRAIN: „Bäume am Waldrand“;1635–1640, Schwarze Kreide, Feder in Braun, braun laviert, auf Papier, 211 × 252 mm;Paris, École des Beaux Arts, Collections patrimoniales;Land: Frankreich, Stil: Barock.

Claude Lorrain - Bäume am Waldrand

CLAUDE LORRAIN – Landschaftsmaler des 17. Jahrhunderts

Die Hinwendung zur klassischen idealisierten Landschaftsmalerei, belebt mit Staffagefiguren aus Mythologie und Bibel, zeigen bereits die Bilder, die der spanische König PHILIPP IV. (Er regierte in Spanien von 1621 bis 1665 und in Portugal von 1621 bis1640.) um 1635 für das nahe Madrid gelegene Schloss Buen Retiro in Auftrag gab. Heute befinden sich die Gemälde im Museo del Prado in Madrid.

CLAUDE LORRAINs Epoche machende Leistung besteht darin, dass er, ausgehend von den großen Landschaftskompositionen der italienischen Künstler LUDOVICO, ANNIBALE CARRACCI und DOMENICHINO sowie der atmosphärischen Behandlung des Lichts bei LEONARDO DA VINCI eine völlig neue Auffassung der Landschaft als psychischen Ausdrucksträger entwickelte.

Für CLAUDE LORRAIN waren topografische Zusammenhänge und Naturbeobachtungen nur eine Anregung, um die poetische Stimmung zum Beispiel der im Nebel sich verflüchtigenden Ferne zu erfassen.

Im Unterschied zur niederländischen Landschaftsauffassung in der Malerei sind bei CLAUDE LORRAIN die Dinge in ihrer natürlichen Unvollkommenheit nicht darstellungswürdig; vielmehr soll der Künstler schöne Gegenstände malen, die Natur durch geistige Schau vervollkommnen. In sonnenbeglänzte Landschaften der römischen Campagna oder in Hafenbildern mit antikischen Bauten und schimmernden Meeresflächen fügte CLAUDE LORRAIN biblische oder mythologische Szenen ein, die nur Staffagecharakter haben.

CLAUDE LORRAIN: „Seehafen beim Aufgang der Sonne“;2. Drittel 17. Jh., Öl auf Leinwand, 72 × 97 cm;München, Alte Pinakothek.

CLAUDE LORRAIN: „Seehafen beim Aufgang der Sonne“;2. Drittel 17. Jh., Öl auf Leinwand, 72 × 97 cm;München, Alte Pinakothek.

Lorrain, Claude - Seehafen beim Aufgang der Sonne

CLAUDE LORRAIN wurde damit für die Maler der Romantik und des Impressionismus sowie insbesondere für den Engländer WILLIAM TURNER zum Vorbild.

Zum Spätwerk des Künstlers gehören „Ostermorgen“, die „Landschaft mit Noli me tangere“ (1681). Die biblische Szene ist nur sehr klein im Vordergrund dargestellt. Das Interesse des Künstlers gilt vielmehr der sich nach hinten in eine weite Ferne öffnenden Landschaft, in der sich das idealisiert gezeigte Jerusalem im frühmorgendlichen Dunst abzeichnet. Die mit malerischen Mitteln gestaltete Verblauung des Hintergrunds verstärkt die perspektivische Fernwirkung und den Sog des Betrachters in die Bildtiefe.

CLAUDE LORRAIN: „Ostermorgen“;1681, Öl auf Leinwand, 83 × 139 cm;Frankfurt am Main, Städelsches Kunstinstitut.

CLAUDE LORRAIN: „Ostermorgen“;1681, Öl auf Leinwand, 83 × 139 cm;Frankfurt am Main, Städelsches Kunstinstitut.

C. Lorrain - Ostermorgen

Begründer der Hafen- und Seelandschaft

CLAUDE LORRAIN gilt als Begründer der Hafen- und Seelandschaft. Sein großformatiges Gemälde „Die Einschiffung der Königin von Saba“ (1648) ist hierfür Beispiel. Es zeigt das weich vom fernen Horizont strahlende Licht und die subtile, alle Bildteile umfassende atmosphärische Stimmung, für die CLAUDE LORRAINs Bilder schon zu seinen Lebzeiten sehr geschätzt wurden.

CLAUDE LORRAIN: „Einschiffung der Königin von Saba“;1648, Öl auf Leinwand, 149 × 194 cm;London, National Gallery.

CLAUDE LORRAIN: „Einschiffung der Königin von Saba“;1648, Öl auf Leinwand, 149 × 194 cm;London, National Gallery.

Maler Claude Lorrain - Einschiffung der Königin von Saba

Licht und Luft spielen die Hauptrollen in diesem Bild, zusammen mit den idealen Architekturen rechts und links des Hafens, die von römischen Bauten der Antike und von Bauwerken der Renaissance inspiriert sind. Die Titel gebende Einschiffung der Königin von Saba, die nach biblischer Überlieferung König SALOMO besuchte (1. Könige 10), bleibt dagegen eher ein Randmotiv bzw. wird Staffage.

Das Bild wurde als Pendant zur „Landschaft mit der Hochzeit von Isaak und Rebekka“ (1648) gemalt, in der CLAUDE LORRAIN eine arkadische Ideallandschaft an einem Fluss malte.

CLAUDE LORRAIN: „Landschaft mit der Vermählung von Isaak und Rebekka“;1648, Öl auf Leinwand, 151 × 205 cm;London, National Gallery.

CLAUDE LORRAIN: „Landschaft mit der Vermählung von Isaak und Rebekka“;1648, Öl auf Leinwand, 151 × 205 cm;London, National Gallery.

Maler C. Lorrain - Landschaft mit der Vermählung von Isaak und Rebekka

Doch der Auftraggeber, der römische Kardinal CAMILLO PAMPHILI, konnte die beiden Bilder nicht mehr erwerben, da er eine Ehe geschlossen hatte und daraufhin vom Papst aus Rom verbannt worden war.

Über ihren ersten Besitzer, den HERZOG VON BOUILLON, gelangten sie nach England. Hier pflegte man im 18. Jahrhundert ein klassisches Stilempfinden, baute Villen im Stil des italienischen Renaissancearchitekten ANDREA PALLADIO und schätzte CLAUDE LORRAINs klassische Landschaften über alle Maßen.

Stand: 2010
Dieser Text befindet sich in redaktioneller Bearbeitung.

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