Das antike Griechenland

Die antike griechische Kunst stammte nicht aus einem einheitlichen Staatsgebiet, sondern umfasste alle Kunstzeugnisse aus den ehemaligen Siedlungsgebieten der Griechen: vom griechischen Festland, von den Ägäischen Inseln, aus dem westlichen Kleinasien, aus Süditalien, Sizilien, Frankreich, Spanien, Nordafrika, Palästina und aus dem Schwarzmeergebiet.

Um 1100 v.Chr. wanderten die Dorer aus dem Norden in „Griechenland“ ein. Damit endete die Epoche der mykenischen Kultur. Die Westküste Kleinasiens besiedelten die Ionier. Die damit verbundenen kriegerischen Auseinandersetzungen wurden um 750 v.Chr. von einer friedlichen Entwicklung abgelöst.

HOMER verfasste die Epen „Ilias“ und „Odyssee“. Aus der phönizischen Schrift wurde das griechische Alphabet entwickelt. Neue politische Ordnungen führten zu neuen Gesellschaftsstrukturen. Adelige Landbesitzer lösten die bisherigen Könige ab. In den fruchtbaren Ebenen entstanden Stadtstaaten.

Griechische Stadtstaaten – Motor einer vielschichtige Entwicklung

Kleine, einst selbstständige Dörfer, die meist um einen befestigten Burgberg entstanden waren, schlossen sich zu Gemeinschaftssiedlungen, zu Poleis, zusammen. Die geographischen Bedingungen Griechenlands begünstigten die Herausbildung von Kleinstaaten. Zwischen 750 und 550 v.Chr. wanderten Griechen aus den verschiedensten Stadtstaaten des Festlandes (Mutterstädte) und Kleinasiens aus und gründeten neue Ansiedlungen, Kolonien.

Diese und vor allem die Mutterstädte, wie Korinth, Megara, Sparta und Milet, wurden zum Motor einer vielschichtigen dynamischen Entwicklung, die das griechische Denken entscheidend prägten. Davon zeugen die religiösen Vorstellungen.

Die Griechen stellten sich ihre Götter menschenähnlich vor, nicht als Despoten, die kein eigenverantwortliches Handeln zuließen. Das Ideal der Kalokagathia¹ konnte sich ab dem 7. Jh. v.Chr. durchsetzen.

Bei der Ausbildung der harmonisch ausgebildeten Persönlichkeit erfüllten Spiele, die zu Ehren der Götter abgehalten wurden, eine wichtige Rolle. Nicht nur Prozessionen, Opfer, Musik- und Rezitationswettbewerbe, sondern auch sportliche Wettkämpfe fanden bei diesen Gelegenheiten statt. Einige dieser Spiele gewannen schon in der Antike überregionale Bedeutung (Olympia, Pythien, Neemen, Isthmien).

¹ Kalokagathia, griech. kalos =  schön und agathos =  gut, edel, gebildet; meint die vollkommene Entfaltung der Persönlichkeit durch eine ausgewogene Erziehung von Körper und Geist.

Athen

Athen liegt auf der Halbinsel Attika in einer Ebene und war ein idealer Platz für ein Machtzentrum. Athen war der mächtigste griechische Stadtstaat. Es war dichter besiedelt als andere griechische Städte und das Zentrum der Künste und Wissenschaften. Schutzherrin der Stadt war Athene, die Göttin der Weisheit und des Krieges. Die Akropolis, zunächst eine starke Festung, wurde später zur heiligen Stätte mit wichtigen Tempeln und Heiligtümern.

Etwa im 8. Jh. v.Chr. wurde die Herrschaft eines Königs (Monarchie) von der Adelsherrschaft (Aristokratie) verdrängt. Die Aufgaben des Königs übernahmen jetzt adlige Beamte (Archonten). Sie verwalteten die Polis, waren oberste Priester, Heerführer, Leiter der Regierung und für Recht und Gesetz zuständig. Das Bevölkerungswachstum, Ausweitung der Siedlungsgebiete, die Belastungen der Bauern, Handwerker und Kaufleute durch militärische Dienste führten zu Unruhen, und es drohte ein Bürgerkrieg zwischen Reich und Arm.

In Athen vollzog sich um 500 v.Chr. nach mehreren Reformen ein Wandel von der Adelsherrschaft zur Demokratie, der sich in der Klassischen Kunst niederschlug.

Sparta

Sparta war neben Athen die bedeutendste Polis. Sie nahm innerhalb Griechenlands eine Sonderstellung ein. Der Stadtstaat Sparta entwickelte sich als einziger Staat zu einer Militärmacht.

Im 8. Jh. v.Chr. eroberten die Spartiaten das fruchtbare Messenien jenseits des Taygetos-Gebirges und verfügten damit über ein größeres zusammenhängendes Territorium. Im Gegensatz zu den meisten griechischen Poleis hatten die Spartiaten nur ungünstigen Zugang zum Meer. Um ihren Herrschaftsanspruch dauerhaft sichern zu können, musste Sparta militärische Stärke zeigen.

In der Mitte des 6. Jh. v. Chr. stand fast die ganze Peloponnes unter dem Einfluss Spartas. In den Kriegen gegen die Perser (um 500 v. Chr.) zeigte sich, dass es möglich war, die Stadtstaaten gegen die äußeren Feinde zu vereinen und diese erfolgreich abzuwehren. Die griechischen Stämme hatten im gemeinsamen Kampf den Sieg gegen die Perser errungen. Sparta zog sich aus dem Bündnis zurück und konzentrierte sich auf die Sicherung seiner eigenen Interessen auf dem Peloponnes.

Im Attischen Seebund (477 v.Chr. gegründet) nutzte Athen seine Überlegenheit und erlangte so die Vormachtstellung als Seemacht, während Sparta stärkste Landmacht war. Um ihren Machtbereich zu erweitern, mischten sich Athen und Sparta in die Streitigkeiten zwischen anderen griechischen Poleis ein. Aus einem solchen Anlass kam es 431 v.Chr. zum Krieg zwischen Athen und Sparta, genannt Peloponnesischer Krieg, der mit Unterbrechung fast 30 Jahre andauerte. Der Krieg endete mit der Niederlage Athens.

Die Niederlage im Peloponnesischen Krieg (431–404 v.Chr.) zerstörte Athens Führungsposition. Soziale Unterschiede und Kämpfe zwischen den Stadtstaaten verschärften sich. Während die griechischen Poleis in dauernde Kämpfe um die Vormachtstellung verwickelt waren, entstand im Norden Griechenlands ein mächtiger Staat: Makedonien.

Makedonien

Unter PHILIPP II., König von 359–336 v.Chr., war Makedonien zu einem mächtigen Staat geworden. Mit seinem schlagkräftigen Heer unterwarf PHILIPP II. die Nachbarvölker (Thessalien, Illyrien, Thrakien) und 344 v.Chr. war die ganze nördliche Ägäis und ihre Küsten zum Hellespont makedonisch.

PHILIPP II. dehnte nun seine Macht nach Süden aus. 338 v.Chr. besiegten seine Truppen das griechische Heer bei Chaironeia in Böotien. Die griechischen Stadtstaaten verloren ihre Selbstständigkeit und mussten sich zum Hellenischen Bund unter makedonischer Vorherrschaft zusammenschließen.

Nach dem Tode PHILIPP II. übernahm sein Sohn ALEXANDER die Macht. Er war erst 20 Jahre alt und strebte die Weltherrschaft an.

ALEXANDER DER GROSSE und der Hellenismus

Im „makedonischen“ Griechenland entstanden nun größere politische Gebilde. ALEXANDER DER GROSSE leitete mit seinen Eroberungen eine neue, kulturelle griechische Epoche ein. Man bezeichnet sie heute als Hellenismus.

Der Hellenismus (von Hellenen = Griechen) bezeichnet den Zeitraum von der Herrschaft ALEXANDERs DES GROSSEN bis zum Beginn der römischen Kaiserzeit (300–30 v.Chr.).

Die Epoche ist durch die Ausbreitung der griechischen Sprache, Kunst, Wissenschaft und Lebensweise bis nach Indien geprägt. Bei der Verbreitung spielten die Städte die bedeutende Rolle. Sie wurden nach griechischem Vorbild mit Marktplatz, Theater und Tempeln errichtet. Die Städte waren Wirtschafts- und Kulturzentren, von denen sich griechische Denkweise und Kultur ausbreiteten. Alexandria, zu jener Zeit größte Weltstadt, hatte ein Museion (Stätte der Muse) und eine Forschungsstätte mit der größten Bibliothek (700 000 Papyrusrollen mit dem Wissen jener Zeit).

Nach dem Tode ALEXANDERs 323 v.Chr. teilten seine Feldherren, die Diadochen, das Großreich. Die einzelnen hellenistischen Staaten bestanden bis zur Eroberung durch das Römische Reich (zwischen 168–30 v.Chr.).Trotzdem existierte das hellenistische Erbe noch bis ins 2. Jh. n.Chr., vor allem in Kleinasien.

Wissenschaftliche Leistungen des Hellenismus

ARCHIMEDES von Syrakus
(um 285–212 v.Chr.):

Ermittlung der Zahl Pi, Hebelgesetz u. a.

ERATOSTHENES von Kyrene
(um 290–214 v.Chr.):

führte Gradeinteilung auf Landkarten ein

ARISTARCH von Samos
(um 310–230 v.Chr.):
lehrte, dass die Erde sich um die Sonne dreht
EUKLID von Alexandria
(330–260 v.Chr.):
 
verfasste das Mathematikbuch „Die Elemente“, das bis ins 19. Jh. in Gebrauch war
HEROPHILOS
(um 330–260 v.Chr.):
 
entdeckt das Gehirn als Zentralorgan der Wahrnehmung und Verstandestätigkeit
ERASISTRATOS
(um 330–250 v.Chr.):

entdeckt den Unterschied von Sehnen und Nerven

Kunstepochen des antiken Griechenlands

Nach dem Zusammenbruch des wirtschaftlichen und kulturellen Systems der Mykene, verursacht durch innere soziale Unruhen und den Druck der Völkerwanderung (einwandernder indogermanischer Völker um 1200 v.Chr.), brach eine Zeit größter Armut und Not an. Die Dezimierung der Bevölkerung, der Rückgang der Landwirtschaft führten in Griechenland zu einem Nomadenleben (Hirtenleben). Diese nomadische Entwicklung führte zu einem kulturellen Niedergang: schlichter, schmuckloser Baustil, Kunst des Schreibens ging verloren. Man spricht deshalb auch von der „dunklen Zeit“.

Etwa ab 1100 v.Chr. entstand wieder ein hierarchisches System und es setzte mit der Besiedlung der kleinasiatischen Westküste (ionische Wanderung), mit der Entdeckung der Eisenverarbeitung, dem wieder zunehmenden Ackerbau ein neuer wirtschaftlicher Aufschwung ein.

Geometrische Kunst

Diese Epoche ist gekennzeichnet durch das Zusammenlegen kleiner Siedlungen, aus denen später die Poleis hervorgingen. Benannt wurde die Epoche nach den Mustern auf der neu aufkommenden Töpferei und Vasenmalerei. In diese Zeit fällt auch die Übernahme des phönizischen Alphabets, dem die Griechen die fehlenden Vokale hinzufügten.

Archaische Kunst

Die archaische Kunst gilt als der Wegbereiter der späteren Klassik. In dieser Zeit bilden sich die literarischen Formen, wie die Epen HOMERs sowie HESIODs Theogonie heraus. Es entwickeln sich die Lyrik (ALKAIOS, Vertreter der lesbisch-äolischen Lieder), die Tragödie (AESCHYLUS, Oresteia), die Prosa und das wissenschaftlich-rationale Denken der Vorsokratiker. In der Architektur geht die Richtung wieder zum Monumentalen. Ein bezeichnendes Stilmittel der archaischer Kunst war das sogenannte archaische Lächeln.

Klassische Kunst

Die Zeit der klassischen Kunst ist geprägt vom peloponnesischen Krieg und der athenischen Demokratie. Diese Zeit wird auch das goldenen Zeitalter genannt. Die sakrale Kunst gewinnt in der Architektur zunehmend an Bedeutung – es entstehen gewaltige Tempelbauten. In der Plastik kommt zunehmend die Bewegung und innere Geschlossenheit der Bildkomposition zum Ausdruck (Diskus-, Speerwerfer ... ).

Hellenistische Kunst

Die hellenistische Kunst entwickelt sich aus der Verschmelzung der griechischen und orientalischen Kultur. Es herrschen wirklichkeitsbezogene Themen vor. Der Höhepunkt des Hellenismus war vor allem durch repräsentative mythologische Sujets (z. B. Alltagsszenen auf griechischen Vasen) geprägt. Das bekannteste Werk ist die Laokoongruppe – ein 1,84 m hohes Marmorbildwerk der Bildhauer ATHANODORES, HAGESANDER und POLYDOROS aus Rhodos.

Im 8. Jahrhundert erreichte die griechische Kultur ihren ersten Höhepunkt (HOMER). Im kleinasiatischen Siedlungsgebiet nahm sie orientalische Einflüsse auf. Im Zeitalter des Hellenismus durchdrang sie im Osten (Alexanderzüge) und im Westen (Rom) die gesamte antike Welt. Griechische Kultur (Religion, Philosophie, Literatur, Kunst, Staatswesen und Lebensauffassung) prägten und beeinflussten wesentlich die Kultur Europas.

Stand: 2010
Dieser Text befindet sich in redaktioneller Bearbeitung.

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